WIE ICH ES SEHE

Wenn alles reißt, hält die Schweiz!

von Redaktion

Klima, Krieg, Währungskrisen, Migration, Schulden, Inflation …, alle diese Ereignisse treffen auch die uns so nah verwandte Schweiz. Sie kommt aber besser damit zurecht, weil sie weniger auf Staatsregulierung setzt, sondern auf offene, freiheitliche Horizonte. Der Ruf, freier zu sein als andere, nützt diesem Land seit Jahrhunderten, er ist Teil seiner Geschichte und seiner Zukunft.

In Deutschland herrscht wieder einmal bei den Regierenden die „Gesinnungsethik“. Sie ist eine Sache des Herzens. In der Schweiz aber steht die „Verantwortungsethik“ im Vordergrund. Sie sieht auf die gesamten Folgen, sie ist rational, kühler und kühner. Sie ist pragmatisch, nicht ideologisch. Ausgerechnet ein Deutscher, der Soziologe Max Weber, hat dieses Begriffspaar geprägt. Die Schweiz hat das in ihrer Politik übernommen wie manches aus Deutschland. Vor den nicht so guten deutschen Ideen, wie dem romantischen Denken, wusste man sich immer zu hüten. Die Schweizer sind vorsichtig. Sie wissen, was neulich der deutsche Denker Sloterdijk in der „Neuen Zürcher Zeitung“ geschrieben hat: „Deutschland ist die größte Exportnation für Irrtümer!“

Bei uns steht neuerdings wieder der Staat mit immer mehr Bürokratie im Vordergrund. Ihm werden vor allem im Umweltbereich viele zusätzliche Aufgaben zugeschrieben. So braucht er auch immer mehr Mitarbeiter, die diese Aufgaben erledigen. In der privaten Wirtschaft müssen vor allem „Schularbeiten“ gemacht werden, die unsere Staatsbürokratie der Wirtschaft überstülpt. So ist die Produktivität bereits deutlich gesunken.

Die Bundesverfassung der Schweiz stammt aus dem Revolutionsjahr 1848. In Deutschland gab es damals die Chance, das Land in eine freiheitliche konstitutionelle Monarchie zu verwandeln. Die 48er-Revolutionäre aber mussten fliehen und nicht wenige von ihnen sind außer in die USA vor allem in die Schweiz gegangen. Das hat das Land geprägt, wo der Liberalismus als freisinniges Denken bis heute blüht.

Bei aller Nähe zur Schweiz, der gemeinsamen Geschichte im alten Reich, der gemeinsamen Sprache bis in den alemannischen Dialekt hinein, gab es schon früh Unterschiede. Sie prägen bis heute. Der deutsche Reformator Luther war den Fürsten untertan. In Glaubensdingen wurde diese Fürstenhoheit festgeschrieben im Augsburger Religionsfrieden von 1555: Cuius regio, eius religio, das heißt jeder Untertan hatte den Glauben seines Fürsten anzunehmen. Der Schweizer Reformator Zwingli dagegen war pragmatisch nüchterner als Luther. Er ließ als erster Protestant weltweit die Pfarrgemeinden direkt demokratisch darüber abstimmen, welchen Glauben sie annehmen wollten.

Im berühmten „Kantönli Geist“ ist dieser Gegensatz zwischen Eidgenossen und Deutschen jenseits des Seelenheils bis heute lebendig. In der Schweiz ist nicht alles ideal und der Kantönli Geist wird auch bezahlt mit tiefer Provinzialität bei aller Weltoffenheit, welche die Schweiz sonst auszeichnet. Aber am Ende hat Friedrich Schiller doch Recht bis heute, wenn er in seinem „Wilhelm Tell“ sagen lässt: Der Schweizer Boden tritt sich frei und leicht!

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VON DIRK IPPEN

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