St. Petersburg – Den zweiten Afrika-Gipfel hat Kremlchef Wladimir Putin in seiner Heimatstadt minutiös durchorganisieren lassen. Vertreter aus den meisten der 54 Staaten des Kontinents sollen dem wegen Kriegsverbrechen in der Ukraine verfolgten 70-Jährigen glanzvolle Bilder liefern. Putin will zeigen: Er ist trotz der blutigen Invasion in das Nachbarland international nicht isoliert. Da soll auch nicht ins Gewicht fallen, dass angesichts seines Kriegs einige afrikanische Staats- und Regierungschefs nur Stellvertreter schicken.
Traditionell will Russland bei armen Ländern, die noch dazu regelmäßig unter Dürren und Hunger leiden, mit Zusagen punkten, die auf ihre Probleme zugeschnitten scheinen. Besonders deutlich wird das bei Getreidelieferungen. Deswegen hat der Kreml-Chef gleich zum Auftakt des Gipfels sechs afrikanischen Staaten kostenlose Getreidelieferungen versprochen. Moskau werde in den kommenden Monaten „in der Lage sein, kostenlose Lieferungen von 25 000 bis 50 000 Tonnen Getreide nach Burkina Faso, Simbabwe, Mali, Somalia, in die Zentralafrikanische Republik und nach Eritrea zu gewährleisten“, sagte Putin.
Zu seinem paradoxen Spiel gehört, dass Russland das Getreide-Abkommen mit der Ukraine aufgekündigt hat und damit die Verschiffung von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer blockiert. International hagelt es Kritik: Er sei der Mann, der mit dem Hunger politische Spiele treibe und Nahrungsmittel als Waffe einsetze.
Für Russland ist die politische Unterstützung der afrikanischen Staaten im Konflikt mit dem Westen wichtig. Bei der Abstimmung der UN-Vollversammlung zur Verurteilung des russischen Angriffskriegs enthielten sich zur Freude Russlands rund 25 Staaten Afrikas. Um diese „freundschaftliche Neutralität“ zu erhalten, brauche es die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, aber auch soziale und humanitäre Kontakte, sagt Andrej Maslow, Direktor des Zentrums für Afrika-Studien an der Wirtschaftshochschule in Moskau.
Seinen Gipfel will Putin auch nutzen, um die Militär-Zusammenarbeit auszubauen. Schon seit Langem entsendet Moskau russische Militärausbilder nach Afrika. Überraschend erschien Jewgeni Prigoschin, der Chef der Söldner-Truppe Wagner, am Rande des Gipfels. Ein Foto, das Prigoschin lächelnd mit einem Vertreter der Zentralafrikanischen Republik zeigt, wurde vielfach in den Sozialen Netzwerken geteilt. Prigoschins Wagner-Armee ist in der Zentralafrikanischen Republik aktiv. Russische Medien zeigten sich erstaunt, dass Prigoschin nach dem Beinahe-Putsch am 24. Juni offenkundig wieder hoffähig geworden ist. Auch wenn sich der Geschäftsmann unlängst mit Putin im Kreml ausgesprochen hatte.
Nach Angaben der Friedensforscher am Peace Research Institute Frankfurt (PRIF) bezieht sich Russlands Unterstützung für Afrika vor allem auf drei Bereiche: Rüstung, Nachrichtendienste und Propaganda. Seit 2015 habe Russland rund 19 Militärabkommen mit afrikanischen Regierungen geschlossen. Als Gegenleistung erhält Russland laut PRIF häufig Bergbaukonzessionen oder geostrategische Vorteile wie etwa den Zugang zu Häfen in Libyen oder dem Sudan.
Russland sieht sich in zunehmender Konkurrenz mit einer Vielzahl an Staaten, die um Einfluss auf dem Kontinent buhlen. Deswegen legt sich Putin bei seinem zweiten Afrika-Gipfel so ins Zeug.