Alle reden übers Wetter, Hubert Aiwanger auch. Der vorhergesagte Hitzesommer sei bisher ausgeblieben, triumphiert der Freie-Wähler-Chef in einem Tweet. Das stimmt, aber nur, wenn der Blick nur bis zur nächsten Kirchturmspitze (und der Bayernwahl) reicht. Man muss schon hartgesotten sein, um die Katastrophe, die die Menschen am Mittelmeer gerade durchleiden, so ausblenden zu können. Wer in den schrecklichen Feuern nur ein Wetterphänomen und keine Auswirkung des Klimawandels erblickt, muss, höflich ausgedrückt, ein notorischer Optimist sein.
Aus Sicht des Wahlkämpfers trifft Aiwanger trotzdem ins Schwarze. Viele Deutsche sind der Klimadebatte überdrüssig. Nur noch 34 Prozent stimmen in einer neuen Umfrage dem Satz zu, die Klimabewegung habe grundsätzlich ihre Unterstützung – vor zwei Jahren waren es noch doppelt so viele. Zugelegt hat hingegen die AfD, die im Widerstand gegen jedwede Form von Klimapolitik, auch eine mit Augenmaß, ihr zweites großes Mobilisierungsthema nach der Migration gefunden hat.
Die „Letzte Generation“ hat ganze Arbeit geleistet, und der grüne Klimaminister Habeck mitsamt seinem brachialen Heizungsgesetz auch: Sie wollten, an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei, die Deutschen Klima-Mores lehren, und sei es mit physischer oder gesetzgeberischer Gewalt. Doch die harte Tour hat nicht funktioniert. Wie schon bei der Asylpolitik haben sich Deutschlands polit-mediale Eliten eingebildet, dass vom deutschen Vorbild die Welt lernen möge – und am Ende das Gegenteil des Gewünschten erreicht. Wer, bitte, soll diesem Vorbild folgen? Dem Klima kann das egal sein, nicht aber den Menschen, die weltweit unter der Erderwärmung leiden.
Georg.Anastasiadis@ovb.net