Wie gnädig, der Brandstifter eilt zur Hilfe: Wladimir Putin, der jüngst den Getreidedeal mit der Ukraine kündigte, will nun Teile Afrikas mit Gratis-Weizen beliefern. Keine Großzügigkeit, sondern klares Kalkül. Afrikas Staaten sollen ihm so lange wie möglich gewogen, angesichts des Ukrainekrieges mindestens aber neutral bleiben – Lebensmittel-Abhängigkeiten könnten da hilfreich sein.
Dabei verstellt Putins durchschaubares Theater die interessanten Details seines Gipfels: Viele Staatschefs sagten lustlos ab, schickten Vertreter. Die, die anreisten, wissen um ihre geopolitische Rolle – auch, aber nicht nur für den Kreml. Von allen Großmächten umworben, werden Afrikas Staaten selbstbewusster und schauen genau, wer was zu bieten hat. Moskaus Angebot besteht, neben Getreide, vor allem in Waffen und Wagner-Schlächtern. Kein Zufall, dass sich deren Chef Prigoschin in St. Petersburg zeigte. Vielleicht ist die Präsenz seiner Söldner in Afrika der einzige Grund, weshalb er, der Aufständische, noch lebt.
Der im Westen isolierte, von Wagner-Rebellion und maulenden Militärs geschwächte Kremlchef tut so, als schare er Freunde, Verbündete um sich. In Wahrheit ist ihr Erscheinen nicht mit Loyalität zu verwechseln, auch nicht mit Sympathie für den Krieg gegen die Ukraine. Die Show von St. Petersburg sollte niemanden täuschen.
Marcus.Maeckler@ovb.net