München – Es ist die entscheidende Sekunde, ob ein Politiker doof aussieht auf dem Foto oder mächtig, ob klein oder groß. Diesen Moment beherrscht kaum ein Spitzenpolitiker so wie Markus Söder: in der richtigen Sekunde den Blick staatstragend in die Ferne gerichtet, ein Lächeln, eine wegweisende Geste. Was es dazu aber noch braucht: einen aufmerksamen Fotografen. Die Kosten dafür kommen nun ins Gerede.
Die Söder-Bilder in Zeitungen haben meist die Fotografen der Medien gemacht – die großen Nachrichtenagenturen oder eigene Fotografen etwa unserer Zeitung. Viele Bilder, die die Staatskanzlei nach seinen Terminen im Internet veröffentlicht, stammen indes von Fotografen, die der Staat beauftragt hat. Früher und bei niederrangigeren Politikern war das meist ein Referent, der mit dem Handy in der einen und der Aktentasche in der anderen Hand nebenbei knipste. Inzwischen sind die Foto-Dienste professionalisiert. Die SPD-Fraktion hat bei der Staatskanzlei nun über eine Anfrage die Herausgabe von Zahlen erzwungen, was das den Steuerzahler kostet.
Die Daten belegen die Vermutung: Die Ausgaben haben sich unter Söder vervielfacht. 2017 – also im letzten Amtsjahr von Horst Seehofer – betrugen die Kosten nur knapp 11 000 Euro, aber 2022 gab die Staatskanzlei allein 178 618,13 Euro für Honorare von freien Fotografen aus – darunter seien 60 000 Euro „für nachgeholte Termine aus den Vorjahren“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
2018 – also in Söders erstem Amtsjahr – hüpften die Kosten bereits auf 72 000 Euro, 2019 auf fast 102 000 Euro. In den beiden Corona-Jahren 2020 und 2021 gingen die Ausgaben spürbar zurück – da machte auch Söder weniger fototaugliche Termine.
Heuer im Wahljahr zeichnet sich erneut ein starker Anstieg ab. 2023 gab die Staatskanzlei bis zum Stichtag 8. Mai 75 726,73 Euro an, pro Monat also gut 15 000 Euro. Zudem steht seit Jahren in der Staatskanzlei ein fest angestellter Fotograf auf der Gehaltsliste. Sein Gehalt wird „vergleichbar der 3. Qualifikationsebene“ bezeichnet, was rund 3000 bis 5600 Euro pro Monat entspricht.
„Selbstdarstellung“ sei ihm wohl wichtiger als Wohnungsbau oder Energiewende, spottet die SPD. Söder kontert, das sei die „Antwort auf Distanz und Fake News“. Es gehe „nicht um Porträts“, sondern um das Abbilden von Regierungshandeln, um Bürgernähe über die Arbeit der klassischen Medien hinaus. Es gebe ja auch öffentliche Termine der neuen Europaministerin – dieses Amt hatte es aber auch unter Seehofer bereits gegeben.
Ausgaben für Parteitermine sind in den Zahlen nicht enthalten. Auch hier wird Söder – dann getrennt auf Kosten der CSU – von erfahrenen Fotografen begleitet, derzeit mehrmals täglich. Unter anderem bei Auftritten mit CDU-Chef Friedrich Merz gelang es ihm immer wieder, im Bild größer, dynamischer zu wirken. Was indes keine Kosten verursacht: Oft fotografiert Söder mit dem Handy selbst für Twitter und Instagram – zum Beispiel sein Essen, hashtag #söderisst.
Die Zahlen passen in eine bundesweite Debatte. Mehrere Ampel-Minister, darunter die Grünen Steffi Lemke und Annalena Baerbock, gerieten wegen Fotografen-Ausschreibungen von über 150 000 Euro ins Gerede. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) verweist gleich auf den Kanzler: „Die SPD agiert wieder einmal in ihrer typischen Doppelmoral: Ihr eigener Bundeskanzler Scholz hat laut Medienberichten allein im vergangenen Jahr mehr als 500 000 Euro für Fotos ausgegeben. Hinzu kamen weitere 40 000 Euro für Visagisten.“ M. HADEM/C. DEUTSCHLÄNDER