Es gibt einen Weg, um an der Basis der US-Republikaner einen Sturm des Zorns zuverlässig heraufzubeschwören, und das ist das Aussprechen der Wahrheit. Ron DeSantis hat diesen Tabubruch soeben begangen. Zweidreiviertel Jahre nach der Präsidentschaftswahl hat er Donald Trumps Niederlage zum ersten Mal als eben diese bezeichnet. In den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens wäre das eine Selbstverständlichkeit. Bei den Republikanern kann es das politische Überleben kosten.
Mit Mut hat die späte Ehrlichkeit wenig zu tun. Bisher war Floridas Gouverneur darauf bedacht, auf keinen Fall den Trump-hörigen Teil der republikanischen Wählerschaft gegen sich aufzubringen. Es war eine Strategie der kalkulierten Feigheit, und sie ist krachend gescheitert.
All das Leugnen und Lavieren hat DeSantis nichts gebracht. Seine Kampagne ist ins Stocken geraten, die Umfragewerte sind schlecht, erste Geldgeber gehen auf Distanz. Erst jetzt, wo er nichts mehr zu verlieren hat, versucht er es mal mit der Wahrheit.
Der persönliche Gewinn für ihn dürfte überschaubar bleiben. DeSantis ist ein Kulturkämpfer und Spalter, so skrupellos wie Trump, aber weniger schillernd. Die radikalen Wähler werden ihm den Verrat nicht verzeihen, die moderaten sind in der Unterzahl. Dennoch dürfte der Wahlkampf in eine neue Phase treten. Auch im hintersten Winkel der republikanischen Welt ist die Wahrheit über Trumps Niederlage nun angekommen.
Marc.Beyer@ovb.net