Niamey – In den Spannungen nach dem Putsch im westafrikanischen Niger bleiben die Fronten verhärtet. Die Militärjunta verweigerte einer für Dienstag geplanten Verhandlungsmission der Vereinten Nationen, des Staatenbunds Ecowas und der Afrikanischen Union die Einreise. Eine US-Diplomatin sprach zuvor in der Hauptstadt Niamey mit Mitgliedern der Junta, durfte aber weder den festgesetzten Präsidenten Mohamed Bazoum noch Machthaber General Abdourahamane Tiani treffen. Die Junta verkündete am späten Montag einen Ministerpräsidenten sowie weitere Posten.
Unklar ist weiter, wie die Staatengemeinschaft Ecowas auf den Staatsstreich in dem 26-Millionen-Einwohner-Land reagiert, das ein wichtiger strategischer Verbündeter des Westens in der Sahelzone war. Der aktuell von Nigeria geführte Bund von elf Nachbarstaaten hatte mit Maßnahmen bis hin zu einem Einmarsch gedroht, falls die Verfassung nach dem Militärputsch nicht wiederhergestellt würde. Militärchefs der Ecowas-Länder hatten vergangene Woche einen Plan für eine mögliche Intervention vorgelegt. Der französische Sender RFI berichtete am Dienstag, dass die Planungen eine Truppe von 25 000 Soldaten umfasse. Nigeria, Benin, der Senegal und die Elfenbeinküste hatten sich bereit erklärt.
Experten glauben nicht, dass es so weit kommt. „Ich wäre überrascht, wenn wir überhaupt eine Intervention sehen. Es ist nicht im Interesse irgendeines westafrikanischen Staates, einen Krieg gegen den Niger zu führen“, sagte Afrika-Analyst Ben Hunter von der Sicherheitsberatungsfirma Verisk Maplecroft.
Die nach Putschen ihrerseits von der Ecowas suspendierten Militärregierungen der Staaten Mali, Burkina Faso und Guinea unterstützen dagegen die Putschisten im Niger. Malis Minister für Territorialverwaltung, Abdoulaye Maïga, bekräftigte nach seinem Treffen mit General Tiani im Niger am Montag „die aktive, effektive und volle Beteiligung Malis und Burkina Fasos an den Operationen zur legitimen Verteidigung im Falle eines Angriffs der Ecowas auf den Niger“.
Die US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland kam am Montag mit dem neuen Stabschef der Streitkräfte, Moussa Salao Barmou, und drei weiteren Mitgliedern der Junta zusammen, wie sie nach dem Treffen in einer Schalte mit Reportern berichtete. Nuland beschrieb das Gespräch als „sehr offen und bisweilen ziemlich schwierig“. Den festgesetzten Präsidenten Bazoum habe sie nicht treffen, aber mit ihm telefonieren können.
„Ich hoffe, dass sie die Tür zur Diplomatie offen halten werden“, sagte sie mit Blick auf die Putschisten. „Wir haben diesen Vorschlag gemacht.“ US-Außenminister Antony Blinken sagte dem Sender RFI, Diplomatie sei der bevorzugte Weg, die Situation zu lösen. Das sei der Ansatz der Ecowas. „Das ist auch unser Ansatz.“
In einer am späten Montagabend im Fernsehen verlesenen Erklärung nannte ein Sprecher der Militärjunta Ali Mahaman Lamine Zeine als neuen Premierminister. Der Ökonom war früher mehrere Jahre im Kabinett des 2010 gestürzten Ex-Präsidenten Mamadou Tandja Wirtschafts- und Finanzminister und arbeitete zuletzt für die Afrikanische Entwicklungsbank.