Putins Öl-Profite steigen wieder

von Redaktion

Experten geben halbherzigen westlichen Sanktionen die Schuld

Moskau – Trotz der westlichen Sanktionen sind die Öl- und Gaseinnahmen Russlands im Juli erstmals in diesem Jahr gestiegen. Laut dem Branchendienst Bloomberg wuchsen die Erlöse gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent auf 8,66 Milliarden Dollar. Damit droht das Ziel der westlichen Sanktionen zu scheitern, Wladimir Putin die Basis für eine dauerhafte Fortsetzung des Ukraine-Krieges zu nehmen.

Schuld daran ist laut Experten die Halbherzigkeit der westlichen Sanktionen: Aus Sorge, dass sonst die Rohstoffmärkte ins Chaos gestürzt werden, haben die westlichen Partner nur ein Embargo für eigene Importe von Öl auf dem Seeweg erlassen. Der Rest der Welt darf weiter russisches Öl handeln und dafür sogar westliche Tanker beauftragen – solange ein Maximalpreis von 60 Dollar pro Barrel Öl (rund 159 Liter) nicht überschritten wird.

Robin Brooks, Chefvolkswirt am Institute of International Finance, erklärte im „Handelsblatt“, dass dieser Kompromiss die volle Wirkung der Sanktionen verhindere: „Unterm Strich haben die Sanktionen den außerordentlichen Geldsegen für Russland nicht verhindert, der dem Land einen Rekordleistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr bescherte.“ Das wiederum helfe Putin, den Krieg in der Ukraine weiter zu finanzieren.

Die EU-Kommission hält die Sanktionspolitik trotzdem für einen Erfolg, weil Russland sein Öl und Gas nur mit Abschlägen verkaufen könne. Doch auch dieser Abschlag wird kleiner: Derzeit ist der Preis für russisches Öl im Schnitt 20 Dollar pro Fass niedriger als der Weltmarktpreis. Im Januar musste Putin sein Öl noch für 40 Dollar unter dem damaligen Referenzpreis für Brent-Öl verkaufen.

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