Düsseldorf – Die Zahl der sogenannten Tumultlagen in Nordrhein-Westfalen hat sich nach Angaben des Innenministeriums drastisch verringert. Gab es Anfang 2018 noch 179 solcher durch aggressiv auftretende Personengruppen verursachten Polizei-Einsätze, so waren es 2022 nur noch 37. „Ja, 37 sind zu viele, ich will das überhaupt nicht kleinreden, aber es hat sich was bewegt“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Tumultlagen werden in NRW seit Anfang 2018 systematisch erfasst.
Reul sieht die stark rückläufige Entwicklung als Ergebnis seiner „Null-Toleranz-Strategie“ mit verstärkter Polizei-Präsenz an den neuralgischen Punkten. Vor wenigen Wochen hatten Massenschlägereien zwischen Mitgliedern türkisch-libanesischer und syrischer Clans im Ruhrgebiet für Schlagzeilen gesorgt. In Essen wird sich künftig eine eigene Organisationseinheit speziell um den Bereich Clan-Kriminalität durch Syrer kümmern. Die Stadt ist seit Jahren ein Hotspot der Clan-Szene.
„Wir sind einige Schritte vorwärtsgekommen, aber wir sind nicht fertig“, lautet die Zwischenbilanz des Innenministers zum Kampf gegen Clans. Was sich über Jahrzehnte entwickelt habe, könne nicht in wenigen Amtsjahren komplett ausgelöscht werden. Reul ist seit 2017 Innenminister. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hatte der schwarz-grünen Landesregierung kürzlich vorgeworfen, sie habe keine ernsthafte Strategie gegen Clan-Kriminalität und tue nichts, um die Kriminalpolizei zu stärken. „Ich hoffe, dass es immer weniger Paralleljustiz gibt, aber zu sagen, es gibt sie überhaupt nicht, würde ich mich nicht trauen“, räumte Reul ein. dpa