Dass Olaf Scholz in Teilen der SPD einen schweren Stand hat, ließ seine Partei ihn 2019 spüren. Statt den damaligen Vizekanzler zum Chef zu wählen, entschieden sich die Genossen für zwei wenig bekannte Partei-Linke, von denen eine noch heute im Amt ist. Scholz prophezeiten danach manche schon das Karriere-Ende. Es kam anders.
Nur rund zwei Jahre später führte er die SPD völlig überraschend zurück an die Macht. Ein Coup, der den neuen Kanzler für die eigenen Reihen vorübergehend unangreifbar zu machen schien. Viele aus der zu einem Viertel aus Jusos bestehenden Bundestagsfraktion verdankten es schließlich vor allem ihm, dass sie überhaupt im Parlament saßen. Doch die Wirkung dieses Effekts scheint nachzulassen. Mit der Forderung nach einem Industriestrompreis springt die Fraktion mit ihrem linken Vorsitzenden Rolf Mützenich nun den Grünen bei, obwohl Scholz solche Pläne zuvor in für seine Verhältnisse sehr deutlichen Worten zurückgewiesen hat. Auch die Fraktions-Forderung nach einem Mieten-Stopp dürfte so gar nicht nach dem Geschmack des Kanzlers sein.
Die Sozialdemokraten waren bisher so etwas wie der Ruhepol der Ampel. „Fassungslos“ gab sich Partei-Chef Lars Klingbeil jüngst über die grün-gelben Streitereien. Jedoch besteht die Gefahr, dass der nächste große Ärger gerade schon in seiner eigenen Partei heranwächst.
Sebastian.Horsch@ovb.net