Es gibt jetzt kein Vertun: Israel ist im Krieg, und es verdient jede Unterstützung, die nötig ist, um den Angriff auf sein Territorium, der auch ein Angriff auf seine Existenz ist, abzuwehren. Der Überfall der Hamas-Terroristen ist zutiefst verachtenswert und zeigt endgültig, dass es ihnen nicht um Gerechtigkeit für die Palästinenser geht (für deren Gesamtheit sie nicht stehen), sondern darum, Blut zu vergießen, Chaos zu verbreiten, letztlich: Israel zu vernichten. Das wird ihnen nicht gelingen, Israels Armee dürfte härter durchgreifen als je zuvor. Die Frage ist, ob damit die Gefahr gebannt ist oder ob sich am vergangenen Wochenende nicht doch etwas Größeres angekündigt hat.
Hinter der überraschenden Schlagkraft der Hamas steckt ohne Zweifel das Regime in Teheran, zu dessen Selbstverständnis der Hass auf alles Israelische, ja alles Jüdische gehört. Hinter dem Angriff, der vermutlich eng mit dem Iran abgestimmt war, dürften gleich mehrere Absichten stecken: die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern zu verschärfen. Die Normalisierung der Beziehungen Israels zu arabischen Nachbarn wie Saudi-Arabien auszubremsen. Und womöglich auch Israel zu unüberlegten Aktionen zu provozieren – ausgerechnet jetzt, da das Land durch harte innere Debatten um die Justizreform geschwächt ist. Und da Europa und die USA mit ihrer Ukraine-Hilfe genug zu tun haben.
In jedem Fall dürfte in der Regierung Netanjahu bald die Diskussion neu entbrennen, ob ein Präventivschlag gegen die nach einer Atombombe strebenden Mullahs jetzt unabwendbar ist. In Berlin, Brüssel und Washington sollte man sich zudem ehrlich die Frage stellen, ob es noch Sinn macht, an der Illusion von Verträgen festzuhalten, oder ob der Druck auf Teheran nicht doch maximiert werden sollte. Die Hamas mag bald besiegt sein. Die größere Gefahr lauert in Teheran.