Die neue CSU-Fraktion

Auf der Suche nach einem Antreiber

von Redaktion

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Tapferkeit vor dem Freund ist eine seltene Tugend in straff geführten Parteien. Auch die CSU wagt nur in Codeworten Kritik am Chef. Die Formel „personelle Breite“ wird derzeit emsig genutzt. Klartext: Die CSU ist viel zu stark fixiert auf Söder, Söder, Söder – zu wenig dominante Fachleute, kaum prägende Sozialpolitiker, zu wenig kantige Rechtsaußen, kein Mut zu Debatten, die der Chef nicht absegnete. Das stimmt. Ist aber nur ein Teil der Analyse. Das Problem liegt ja wahrlich nicht in der unermüdlichen physischen Präsenz des Chefs im Wahlkampf. Sondern in den drei Fragen: Lässt er neben sich starke Figuren zu? Sind die überhaupt da? Und fänden sie genügend Echo in den ebenfalls Söder-zentrierten Medien?

Genau hier wird spannend, ob die CSU-Fraktion unter dem neuen Chef Klaus Holetschek aus ihrem Dämmerschlaf findet. Sie ist einige in Ehren ergraute und manche in Unehren geschrumpfte Figuren nach dieser Wahl los, gewinnt junge, mutige Abgeordnete dazu. 85 direkt gewählte Parlamentarier sind das, deren Selbstverständnis nicht sein darf, dereinst auf die Gnade eines Kabinettspostens zu hoffen. Das Wahlergebnis von Sonntag lehrt: Wer über den eigenen Stimmkreis hinaus denkt, ein Profil entwickelt, hat daheim die besten Erststimmenergebnisse. Wenn’s gut läuft, ist die verjüngte Fraktion nicht Söders interne Opposition, sondern seine wertvollste Ressource: Die Fraktion muss wieder Antreiber und Ideengeber der Landespolitik werden. Holetschek wird neben Loyalität auch Mut nachgesagt. Den braucht’s jetzt.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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