CDU streitet nach Rheins Wahltriumph

Lieber Methode Merz oder Methode Merkel?

von Redaktion

VON GEORG ANASTASIADIS

Mit Merz als Kanzlerkandidat geht’s nicht, sagen die Merkel-Leute in der CDU: zu polarisierend, zu wenig populär bei jungen und weiblichen Wählern. Ohne ihn geht’s aber auch nicht. Der CDU-Chef war es, der der Ampelregierung in den letzten Wochen unerschrocken deren Angstthema Asyl aufzwang – und den Wahlkämpfern Boris Rhein in Hessen und Markus Söder in Bayern auf den letzten Metern den nötigen Rückenwind verschaffte. Wahlforscher sind sich einig, dass die mit Wucht entbrannte Migrationsdebatte die Landtagswahlen am Ende entschied.

In der CDU währte die Freude über den Triumph des mit den Grünen harmonisch regierenden Ministerpräsidenten Rhein aber nur kurz. Sie ging relativ nahtlos über in einen hinter den Kulissen verbissen geführten Streit, ob die Union die Macht in Berlin mit der Methode Merz zurückerobern soll – oder doch lieber mit der Methode Merkel. Der Streit führt allerdings in die Irre: Amtierende Koalitionschefs wie Boris Rhein (oder Hendrik Wüst in NRW) treten immer präsidialer, auch mittiger auf als Oppositionsführer, die wie Merz die Zuspitzung brauchen, um sich und ihre Partei den Wählern als Gegenmodell zu empfehlen – erst recht, wenn die möglichen Partner von morgen aktuell noch mit anderen regieren.

Wer immer Merz als Kanzlerkandidat noch verhindern will, muss – womöglich sogar in einem Mitgliederentscheid – mit dem Widerstand der Basis rechnen, deren Liebling der überzeugte Konservative Merz ist. Für die zweifelnden Parteifunktionäre dagegen gilt ein anderer Satz des CDU-Vorsitzenden, den vermutlich auch Helmut Kohl und Angela Merkel unterschreiben würden: Die CDU liebt ihre Chefs erst dann, wenn sie Kanzler sind.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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