Der Kampf ums Mitgefühl

von Redaktion

VON KLAUS RIMPEL

München – Der Nahost-Krieg ist auch ein Kampf ums Mitgefühl der Weltgemeinschaft. Das Kinderhilfswerk Unicef schlug gestern wegen der erschreckend hohen Zahl getöteter Kinder im Gazastreifen Alarm: 2360 Kinder seien bei israelischen Luftangriffen getötet, 5364 weitere verletzt worden. Die Zahl basiert auf Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza, ist also nicht unabhängig von der UN recherchiert worden und deshalb sicher mit Vorsicht zu genießen. Unicef wies aber auch darauf hin, dass bei dem Hamas-Angriff auf Israel mehr als 30 israelische Kinder getötet und Dutzende entführt wurden.

Die Palästinenser verbreiten Bilder von Raketen-Opfern und weinenden Kindern aus Gaza auf Sozialen Medien wie Tiktok. Neben dem Problem, dass so Kinder und Jugendliche mit verstörenden Kriegsbildern konfrontiert werden, ist auch die Authentizität der Videos oft unklar. Eine Strategie der Propagandaabteilungen ist es, altes Foto- oder Videomaterial aus anderem Kontext als aktuell auszugeben.

Ein Beispiel: In einem Video, das Faktenchecker der Deutschen Presse-Agentur kürzlich prüften, war eine Stadt bei Nacht zu sehen, in rotes Licht getaucht, begleitet von Knallgeräuschen – angeblich aktuelle Aufnahmen aus dem Gaza-Streifen nach israelischen Angriffen. Die Überprüfung ergab jedoch, dass ältere Szenen aus Algerien zu sehen sind, wahrscheinlich als Fußballfans mit Feuerwerk feierten.

Israel versucht, den emotionalen Bildern der Palästinenser zu begegnen, indem sie den Hamas-Überfall nicht in Vergessenheit geraten lassen: Die Israelische Armee (IDF) präsentierte am Montag 150 Journalisten ein 45-minütiges Video mit Ausschnitten von Überwachungskameras und Körperkameras der Hamas-Terroristen. „Wir wollen, dass die Welt begreift, was hier geschehen ist, und warum wir uns verteidigen müssen“, begründete der israelische Generalmajor Mickey Edelstein die Vorführung. Die Videos seien zu brutal, um sie der Öffentlichkeit direkt zu zeigen, aber zu wichtig für die Einordnung des Massakers, um sie ganz unter Verschluss zu halten. Einige der Journalisten brachen angesichts der Bilder, die zeigten, wie die Terroristen Zivilisten hinrichteten oder enthaupteten, weinend zusammen. Es sei „das Schlimmste, was sie in ihrem Leben je gesehen“ habe, so eine der Journalistinnen, die bei der Vorführung dabei war.

In kleinen Schritten kommen weiter Hilfsgüter zur Bevölkerung im Gazastreifen. Ein vierter Konvoi aus 20 Lastwagen kam in der Nacht zum Mittwoch über die Grenze, wie es aus ägyptischen Sicherheitskreisen hieß. Darunter seien Arzneimittel, Säuglingsmilch und Trinkwasser. Insgesamt seien Güter von 74 Lastwagen in den Gazastreifen gelangt. Erst am Samstag begannen erste Lieferungen. Den Vereinten Nationen zufolge wären für eine Versorgung der 2,2 Millionen Menschen täglich 100 Lastwagen nötig. Die Hilfsgüter kommen zunächst zum Flughafen der ägyptischen Küstenstadt Al-Arisch, wo sie nach dem Empfang in Lagerhäuser gebracht werden. Dort haben sich viele Hilfsgüter aufgestaut, weil Israel bisher nur begrenzten Lieferungen zugestimmt hat. Der Grenzübergang Rafah, der den Nord-Sinai in Ägypten vom Gazastreifen trennt, gilt aktuell als einziger Weg zur Lieferung von Hilfsgütern.

Artikel 8 von 11