Gaza/Tel Aviv – Wachsende Spannungen zwischen Israel und der Schiitenmiliz Hisbollah im Libanon erhöhen die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Bei einem Angriff Israels auf einen libanesischen Grenzort wurden Medienberichten zufolge in der Nacht zum Mittwoch drei Menschen getötet. Die mit dem Iran verbündete Hisbollah reklamierte neue Raketenangriffe auf Israel für sich. Im Gazastreifen stieg die Zahl der Todesopfer unterdessen weiter an.
Der den Berichten zufolge von israelischen Kampfflugzeugen angegriffene libanesische Grenzort Bint Dschubail gilt als Hochburg der Hisbollah. Unter den Toten war nach Hisbollah-Angaben einer ihrer Kämpfer.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober kommt es immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der Hisbollah in der Grenzregion. Die jüngsten Auseinandersetzungen gelten als die schwersten seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006. Die proiranische Hisbollah gilt als weitaus mächtiger und stärker bewaffnet als die islamistische Hamas im Gazastreifen.
Das israelische Militär zeigt sich zunehmend bereit, den Kampf auszuweiten. „Heute haben wir eine Reihe von Plänen für die Zukunft gebilligt, und wir müssen, wenn nötig, für eine Offensive bereit sein“, sagte Generalstabschef Herzi Halevi gestern Abend. Die Streitkräfte seien „auf einem sehr hohen Niveau der Bereitschaft“.
Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen 21 110 Menschen getötet. Allein innerhalb von 24 Stunden seien bei israelischen Angriffen 195 Personen gestorben. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Zahlen nicht. Auch bei einem mutmaßlichen israelischen Angriff auf ein Gebäude in der Nähe eines Krankenhauses in Chan Junis soll es am Mittwoch viele Tote gegeben haben.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan griff Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gestern erneut scharf an und verglich ihn für das Vorgehen im Gaza-Krieg mit Adolf Hitler. „Wir haben Israels Nazilager in Stadien gesehen, nicht wahr? Was ist das? Wie unterscheidet ihr euch von Hitler?“ sagte Erdogan in Ankara. Er erläuterte nicht, was er genau meinte, allerdings kursierten in sozialen Medien in den vergangenen Tagen Videos von palästinensischen Gefangenen, die in einem Stadion im Gazastreifen festgehalten wurden. „Gibt es irgendetwas, das Netanjahu weniger getan hat als Hitler? Nein“, sagte Erdogan weiter.
Israel trat den Äußerungen entschieden entgegen. „Seine Worte sind für jeden Juden auf der ganzen Welt zutiefst beleidigend“, erklärte Präsident Izchak Herzog. Erdogan habe das Andenken an Millionen Juden verletzt, die von den Nazis ermordet wurden. Erdogan bemängelte zudem, dass aus Deutschland keine Verurteilung Netanjahus für die vielen zivilen Opfer im Gazastreifen komme: „Ich sage das ganz klar, schauen Sie: Deutschland zahlt auch heute noch den Preis für das, was Hitler getan hat. Deshalb schweigt Deutschland, es hat seinen Kopf gesenkt.“