München – Nicht überall ist die Lage so schwierig wie im Landkreis Fürstenfeldbruck. Bis Ende 2030 werden dort 646 der insgesamt 1358 Sozialwohnungen aus der sogenannten Belegungsbindung herausfallen, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Übersetzt: 47,6 Prozent jener Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gebaut wurden und Mietern mit besonders eng bemessenen Möglichkeiten günstig zur Verfügung gestellt werden, sind in spätestens sieben Jahren nicht mehr zu diesen Konditionen zu haben. Fast die Hälfte also. Und das im hochpreisigen Münchner Umland.
Tatsächlich ist die Situation im – allerdings besonders teuren – Regierungsbezirk Oberbayern noch vergleichsweise moderat, wie die Antwort des Bauministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol zeigt. Hier und in Mittelfranken fallen bis 2030 nur 17 Prozent der Wohnungen aus der Belegungsbindung. In den fünf anderen Bezirken sieht es schon anders aus. Einen traurigen Spitzenwert erreicht Oberfranken mit 36 Prozent, unmittelbar dahinter folgt die Oberpfalz mit 35, Unterfranken und Schwaben mit je 28 sowie Niederbayern mit 24. Bayernweit liegt der Durchschnitt bei 22 Prozent.
Doch die Streuung ist auch in Oberbayern enorm. In den Landkreisen Miesbach (87 von 801/10,9 Prozent) und Garmisch-Partenkirchen (56 von 495/11,3) liegt der Anteil der Wohnungen, die aus der Bindung fallen, recht niedrig. Umgekehrt sind im Berchtesgadener Land 442 von 960 Wohnungen betroffen (46,0 Prozent), im Landkreis Erding 245 von 679 (36,1) und im Landkreis Starnberg noch fast jede vierte (393 von 1593/24,7). In der Stadt München sind es 14 Prozent (5152 von 36 885), im Landkreis 14,6 (505 von 3456). Landesweit besonders düster ist die Lage im Kreis Neuburg-Schrobenhausen, wo traurige 72 Prozent der Wohnungen in den nächsten sieben Jahren teurer werden. Allerdings beträgt dort die Zahl der Sozialwohnungen insgesamt nur 75, von ihnen sind 54 betroffen.
Mistol, der Sprecher seiner Fraktion fürs Wohnen, sieht durch die Zahlen den Trend bestätigt, dass bezahlbarer Wohnraum im Freistaat ein immer knapperes Gut wird: „Die Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung – und zwar nach oben.“ Durch Inflation und steigende Energiepreise würden die Ausgaben fürs Wohnen mittlerweile jeden dritten Mieterhaushalt überlasten: „Das Problem hat damit auch längst die Mittelschicht erreicht. Ohne soziales Gegengewicht auf dem Wohnungsmarkt wird sich die Armut und soziale Ungleichheit in unserem Land drastisch verschärfen.“
Die Landtags-Grünen fordern angesichts der aktuellen Krise im Bausektor und der steigenden Nachfrage an Mietwohnraum von der Staatsregierung ein Sonderinvestitionsprogramm für den geförderten Mietwohnungsbau. Sie verweisen darauf, dass in einigen Regierungsbezirken die verfügbaren Mittel bereits abgerufen seien. In ganz Bayern standen in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro für die Wohnraumförderung zur Verfügung. Daneben sprechen sich die Grünen für ein Modernisierungsprogramm für alle Sozialwohnungen und eine Stärkung des genossenschaftlichen Wohnens aus. MARC BEYER