Eine Stunde mehr Deutsch an den Grundschulen – wer wäre da dagegen? Deutsch, besser gesagt die Lese- und Rechtschreibkompetenz (Literacy), ist die Grundlage für fast alles. Wer kein Deutsch kann, der wird auch an Mathe-Textaufgaben scheitern. Das wusste die CSU anscheinend nicht, als sie vor Jahren Deutsch-Stunden in der Grundschule gestrichen hat. Nun also der Umkehrschwung. Deutsch kommt zurück. Es ist ja auch sinnvoll – für alle Schüler und Schülerinnen, aber natürlich besonders für die mit Migrationshintergrund. Allerdings hat der Vorstoß Söders einen Schönheitsfehler. Wer eine Stunde draufsattelt, muss anderswo streichen. Jedes Fach hat ja irgendwo seine Berechtigung – und seine Verteidiger. Heißer Kandidat auf der Streichliste ist momentan das Fach Englisch in der Grundschule. An Religion (drei Stunden!) wird sich, obwohl es wohl Gedankenspiele gibt, die CSU nicht rantrauen, darauf kann man Wetten annehmen.
Interessant ist die Machtdemonstration, mit der Söder seine Kultusministerin von den Freien Wählern düpiert und ihr Vorschriften en détail macht: Gender-Verbot, weniger Teilzeit-Lehrer, jetzt die Deutsch-Stunde. So was kann man auch gemeinsam abstimmen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Anna Stolz bisher wenige eigene Akzente gesetzt hat. Jetzt darf man gespannt sein, wie sie den steten Ideen-Strom aus der Staatskanzlei in sinnvolle Konzepte umsetzt.
Dirk.Walter@ovb.net