Je länger der Krieg in Gaza tobt, desto offensichtlicher wird, dass Benjamin Netanjahu keinerlei Plan für die Zeit danach hat. Seine Total-Verweigerung einer Zwei-Staaten-Lösung verärgert mittlerweile auch die treuesten Verbündeten Deutschland und die USA.
Aber auch im Inland schlägt die Verzweiflung über die fehlende Perspektive für die mehr als 100 Geiseln, die noch immer in den Fängen der Hamas sind, in Wut gegen die rechte Regierung um. Der Ruf nach Neuwahlen in Israel, die eigentlich erst nach dem Krieg kommen sollten, wird immer lauter. Auch Netanjahu weiß, dass er trotz der für seine Likud-Partei katastrophalen Umfragewerte eine Neuwahl nicht ewig hinauszögern kann.
Seine harsche Ablehnung eines Palästinenserstaates ist vor diesem Hintergrund auch taktisch begründet: Nach dem Schock des 7. Oktober sind viele Israelis strikt gegen jedes Zugeständnis, die Zwei-Staaten-Lösung ist deshalb alles andere als populär. Auf diese Stimmung setzt Netanjahu. Er wird für seinen Wahlkampf auf niedrigste Rache-Instinkte setzen. Dabei bräuchte es in dieser Situation einen visionären Führer, der der traumatisierten israelischen Bevölkerung überzeugend klarmacht, warum es ohne eine Zukunftsperspektive für die Palästinenser auch keine Sicherheit für Israel geben kann.
Berichte über ein Angebot Saudi-Arabiens, Israel im Gegenzug für die Zwei-Staaten-Lösung anzuerkennen, zeigen: Es könnte einen friedlicheren Neubeginn geben.
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