Trump sieht sich schon als Spitzenkandidat

von Redaktion

VON FRIEDEMANN DIEDERICHS

Washington – Nur Sekunden, nachdem die führenden US-Nachrichtensender Donald Trump zum Sieger der Republikaner-Vorwahlen im Bundesstaat New Hampshire erklärt hatten, schickte Trump eine Massen-E-Mail an seine Millionen Unterstützer. „Das Rennen ist vorbei“, behauptete darin der Präsidentschaftskandidat. Und: „Ich bin der Einzige, der Joe Biden stoppen kann.“

Dieser These hatte sich in New Hampshire die Mehrheit der konservativen Wähler angeschlossen. Rund 54 Prozent votierten nach letztem Stand der Auszählung für Trump, Haley musste sich mit knapp 45 Prozent begnügen. Die meisten politischen Beobachter waren davon ausgegangen, dass die frühere UN-Botschafterin Haley – einst für die Regierung Trump tätig – einen Sieg benötigt, um das Rennen um die Nominierung weiter offenzuhalten.

Doch nun will Haley trotz eines dritten Platzes beim Vorwahlstart in Iowa und ihrer Niederlage in New Hampshire ihre Ambitionen weiter verfolgen. Sie werde in ihrem Heimat-Bundesstaat South Carolina, wo sie einst Gouverneurin war, Trump in die Schranken weisen, versprach sie in ihrer Rede den Anhängern. Sie hofft offensichtlich auch davon zu profitieren, dass einer frischen Umfrage zufolge 32 Prozent der Republikaner im November nicht für Trump stimmen würden, der unter anderem mit vier anhängigen Strafverfahren zu tun hat. Haley behauptete sogar, sie habe mit ihrem Abschneiden in New Hampshire „die Lücke zu Trump weiter geschlossen“ und formulierte: „Das Rennen ist noch lange nicht vorbei. Wir werden uns weiter verbessern.“

Umfragen zufolge hat Haley dabei einen extrem steilen Weg vor sich: Sowohl in South Carolina wie auch in Nevada, wo am 6. Februar gewählt wird, liegt Trump Umfragen zufolge deutlich vorn. Haley bleibt deshalb nur noch ein Fünkchen Hoffnung, denn Verlierer bei dem Vorwahl-Marathon haben üblicherweise unter einem schnellen Schwund von Spendengeldern für den Wahlkampf zu leiden.

Auch bei den Demokraten wurde in New Hampshire gewählt, wobei sich das Kuriosum ergeben hatte, dass Joe Biden nicht zu den 21 Bewerbern auf dem gedruckten Stimmzettel gehörte. Das lag daran, dass Biden bei seiner Partei durchgesetzt hatte, New Hampshire ausfallen zu lassen und sich erstmals in South Carolina zur Wahl zu stellen. Der Grund dafür waren bittere Erfahrungen der Vergangenheit. 2020 stand Biden nach den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire, wo er nur als Fünfter ins Ziel gekommen war, vor dem Aus. Erst die afroamerikanische Wählerbasis in South Carolina, animiert unter anderem von Barack Obama, rettete die Kandidatur des Spätstarters. Vier Jahre später will Biden erneut von den Sympathien der Schwarzen profitieren.

In New Hampshire hatten die Demokraten in dem Bundesstaat vorab darauf hingewiesen, dass die Bürger Joe Biden auch handschriftlich dem Wahlzettel hinzufügen können. Davon machte ein großer Teil der liberal orientierten Bevölkerung Gebrauch, sodass der Präsident – der ohnehin unter den Demokraten keine ernsthafte Konkurrenz hat – am Ende bei einer klaren Mehrheit der Stimmen landete.

Das ist für den 81-Jährigen nur ein symbolischer Erfolg, da er aufgrund der fehlenden Registrierung keine Delegierten für den Nominierungsparteitag bekam. Doch am Ende werden ihm diese nicht fehlen.

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