Wer erinnert sich an die Zeit, als Jeans nur etwas für Arbeiter und Hippies waren? Als langhaarige Männer als zottelige Gammler galten? Als Rock’n’Roll nur etwas für Wilde und Halbstarke war? Der Ärger über jüngere Generationen folgt einer langen Tradition: Schon im alten Griechenland klagte Sokrates über die jungen Leute, die nur rumlümmeln und Lehrer ärgern. Die Jugend von heute – schimpft bald über die Jugend von übermorgen.
Heute sorgen nicht mehr Elvis, Lederjacken und Röhrenjeans bei den älteren Generationen für Entsetzen – sondern Selfies auf Instagram, fehlende Arbeitsmoral und Wokeness. Junge Menschen sprechen von Work-Life-Balance, fordern die Vier-Tage-Wochen und wollen die Erde retten, indem sie Schule schwänzen. In den Augen der Älteren ist das Naivität, Faulheit und Selbstmitleid.
Wer in der Nachkriegszeit groß geworden ist, sieht die Welt durch eine andere Brille als jemand, der mit Internet und Smartphone aufwächst. Das ist auch gut so, denn so können alle voneinander lernen. In einer perfekten Welt würden junge Menschen genau wissen, dass Wirtschaft und Wohlstand ohne Fleiß nicht existieren können – und Ältere, dass Freiheit und Flexibilität wichtig für eine gesunde Psyche sind. Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte. Junge müssen sich – anders als früher – kaum um einen Arbeitsplatz sorgen. Gleichzeitig hat bei vielen das Auto als Statussymbol ausgedient. Und eine eigene Wohnung kann sich ohnehin keiner leisten. Sie fragen also: Warum alles Job und Geld unterordnen? Jede Generation reagiert eben auf ihre Lebensumstände.
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