Missbrauch in evangelischer Kirche

Jetzt muss der Staat aufarbeiten

von Redaktion

VON CLAUDIA MÖLLERS

3,6 Millionen Euro an Kirchensteuermitteln hat die Studie zur sexualisierten Gewalt in der evangelischen Kirche in Deutschland gekostet, die Betroffenen warten seit über zehn Jahren auf eine Aufarbeitung des Missbrauchs – und gestern konnten die Wissenschaftler nur ein unzureichendes Ergebnis vorlegen. Der Grund: Die 20 Landeskirchen haben die für die Studie erforderlichen Personalakten nur „schleppend“ geliefert.

Beschämend war ja bereits, dass die EKD erst so spät eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben und sich in den vergangenen Jahren hinter der katholischen Kirche weggeduckt hat. Umso genauer hätten die Landeskirchen darauf achten müssen, dass nicht der Verdacht aufkommen kann: Die evangelische Kirche legt die Fakten nicht auf den Tisch.

Dass nun weiter Unklarheit herrscht über das wahre Ausmaß der Missbrauchsfälle und auch wenig Erkenntnis darüber gewonnen werden konnte, ob und wie Missbrauchstaten von Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitern vertuscht worden sind, ist ein Skandal und eine Missachtung der Schicksale von Betroffenen. Die EKD und ihre Landeskirchen haben mit diesem Vorgehen den letzten Beweis dafür geliefert, dass Beteiligte selber keine Aufarbeitung leisten können. Der Staat muss das Thema endlich zur Chefsache machen.

Claudia.Moellers@ovb.net

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