Gaza/Beirut – Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas fordert vor jeglicher Einigung auf einen neuen Deal zur Freilassung weiterer Geiseln einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen. Hamas-Sprecher Ghasi Hamad sagte am Donnerstag zudem, die Verhandlungen unter Vermittlung von Katar, Ägypten und den USA seien zuletzt nur sehr schleppend verlaufen.
Aus Hamas-Kreisen in Beirut verlautete, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lehne eine Waffenruhe als ersten Schritt ab. Die Hamas habe dagegen einen Vorschlag Israels über die Ausreise der Hamas-Führung aus dem Gazastreifen im Rahmen einer Verhandlungslösung zurückgewiesen.
Mehrere Medien hatten zuletzt über Hoffnungen auf einen weiteren Deal zur Freilassung von Geiseln im Gegenzug für palästinensische Häftlinge und eine längere Feuerpause berichtet. Am Mittwoch forderten bei einer ungewöhnlichen Protestaktion im Gazastreifen Dutzende palästinensische Demonstranten eine Freilassung der Geiseln, um ein Ende des Krieges herbeizuführen.
Unterdessen haben Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bei einem Treffen mit Angehörigen von Geiseln bei der vermittelnden Regierung in Katar für Verstimmung gesorgt. Tonaufnahmen bei dem Treffen waren an einen israelischen TV-Sender durchgestochen worden. Netanjahu hatte die Rolle des Golfstaats bei Verhandlungen mit der islamistischen Hamas über eine Freilassung weiterer Geiseln demnach als „problematisch“ bezeichnet.
Ein Sprecher des Außenministeriums von Katar erklärte, man sei „entsetzt“ über die Äußerungen. Sie seien „verantwortungslos und zerstörerisch mit Blick auf die Bemühungen, unschuldige Leben zu retten, aber nicht überraschend“. Der Vertreter Katars warf Netanjahu vor, den Verhandlungsprozess zu untergraben, „aus Gründen, die offenbar seiner politischen Karriere dienen, anstatt der Rettung unschuldiger Leben, auch von israelischen Geiseln, höchste Priorität zu verleihen“.
Netanjahu hatte den Berichten zufolge gesagt, Katar sei „grundsätzlich nicht anders“ als die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz „und in manchen Aspekten sogar noch problematischer“. Israel wirft den beiden Organisationen vor, es auf unfaire Weise anzuprangern und aufseiten der Palästinenser zu stehen. Netanjahu habe auch Ärger darüber geäußert, dass die USA ihre Präsenz auf einer Militärbasis nahe Doha verlängert haben. Katar gilt als einer der wichtigsten Geldgeber der Hamas,
Derweil berichten das israelische Militär und palästinensische Gesundheitsdienste von weiteren schweren Kämpfen im Westen der Stadt Chan Junis im südlichen Gazastreifen. Außenministerin Annalena Baerbock hat Israel angesichts der humanitären Krise im Gazastreifen eindringlich aufgefordert, beim Vorgehen etwa in Chan Junis das humanitäre Völkerrecht einzuhalten. „Auch beim Recht auf Selbstverteidigung gibt es Regeln, und auch beim Kampf gegen Terroristen gilt das humanitäre Völkerrecht“, sagte Baerbock. „Diese muss Israel genauso einhalten wie alle anderen Staaten auf der Welt – auch in einem schwierigen Umfeld, in dem die Hamas alle Regeln bricht und Menschen als Schutzschilde missbraucht.“