Aktionen gegen SUV-Fahrer

Der nächste Irrweg

von Redaktion

VON MARC BEYER

Sie kommen im Schutze der Nacht, und auch die Hintergründe der Attacken auf SUV-Reifen liegen noch im Dunkeln. Dass aber die dutzendfachen Sachbeschädigungen in Berlin fast nahtlos anknüpfen an die Ankündigung der „Letzten Generation“, sich nicht mehr auf den Straßen festzukleben, deutet auf einen Zusammenhang hin, der nicht zwingend personeller, aber ganz sicher ideeller Art ist. Beiden, Klebern wie Stechern, geht es auf rabiate Weise ums Klima. Und beide eint die Selbstgerechtigkeit.

Es mag ja stimmen, dass ein SUV für vieles steht, worüber man nachdenken sollte: Autowahn, Gigantismus, Belastung der Umwelt. Doch nichts davon rechtfertigt Attacken, die verglichen mit blockierten Kreuzungen eine neue Eskalationsstufe sind. Erst traf es die Menschen in ihrem Alltag, nun an ihrem Eigentum. Man soll das wohl so verstehen, dass für den Einzelnen, der als Sünder ausgemacht ist, die Einschläge näher kommen.

Dazu passen der Eindruck moralischer Überlegenheit, die zwischen den Zeilen der Bekennerschreiben hervortritt, und das Kalkül, ein Symbol des Reichtums anzugreifen. Die Aktivisten spekulieren auf die Solidarität der weniger Begüterten, auf ihre heimliche Sympathie. Sie spalten fürs Klima. Damit schaden sie ihrem Anliegen ebenso wie die Kleber. Deren Abgang sollte nicht dazu führen, dass die nächste Generation auch den nächsten Irrweg beschreitet.

Marc.Beyer@ovb.net

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