Staubsauger defekt? Da fackeln viele Online-Händler nicht lange. Ohne Nachfrage wird ein neues Gerät geschickt, das alte (eigentlich ja auch noch neue) geht vermutlich direkt in die Tonne. Das ist für Kunden bequem und für die Unternehmen offenbar wirtschaftlich, sonst würden sie es nicht tun. Es ist aber auch: ein Wahnsinn.
Fast fünf Millionen Tonnen Elektroschrott wanderten 2020 in 27 EU-Staaten in den Müll – in Deutschland 12,5 Kilo pro Kopf. Bei kleinsten Defekten werden Handys oder Kühlschränke nicht repariert, sondern neu gekauft. Das liegt auch daran, dass es selbst für Fachleute oft nahezu unmöglich ist, vom Hersteller das passende Ersatzteil zu erhalten. Dass die EU dem entgegenwirken will, ist zunächst einmal vernünftig – und zeigt obendrein die Gestaltungsmacht eines geeinten Europa. Das Bündnis macht immer dort am besten Werbung für sich, wo es das Leben im Alltag konkret besser macht. Offene Grenzen, das Ende von Roaminggebühren im EU-Ausland oder einheitliche Ladekabel überzeugen viele Menschen weit besser als jeder Friedensnobelpreis.
Doch liegt ein schmaler Grat zwischen diesen Stärken der EU und ihrer großen Schwäche: der Bürokratie. Von der legendären Gurkenkrümmung bis zur einst geplanten Hutpflicht für Maurer – in Brüssel neigt man unter dem Einfluss unzähliger Lobbygruppen schon mal zur Überregulierung. Die Gefahr, dass eine an sich gute Idee in die Hersteller-Gängelung abgleiten könnte, gilt es auch beim Recht auf Reparatur im Auge zu behalten.
Sebastian.Horsch@ovb.net