Islamabad – Bei der Parlamentswahl in Pakistan haben unabhängige Kandidaten, von denen viele mit der Partei des inhaftierten Ex-Premierministers Imran Khan in Verbindung stehen, die meisten Stimmen errungen. Nachdem die Khan-Partei Wahlfälschung angeprangert und zu Protesten aufgerufen hatte, drohte die Polizei am Sonntag mit einem harten Durchgreifen gegen Demonstranten. Wer in Islamabad künftig die Geschicke der Atommacht lenken wird, blieb auch gestern ungeklärt.
Bei der am Donnerstag abgehaltenen Wahl kamen die unabhängigen Kandidaten den endgültigen Ergebnissen zufolge auf 101 Sitze. Viele von ihnen stehen mit Khans Partei Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) in Verbindung. Weil diese von der Wahl ausgeschlossen worden war, mussten ihre Kandidaten als Unabhängige antreten, die keine Regierung bilden dürfen.
Die von Ex-Premierminister Nawaz Sharif gegründete und vom Militär unterstützte Partei Muslimliga-Nawaz (PML-N) erzielte nach offiziellen Angaben 75 Sitze, die Pakistanische Volkspartei (PPP) kam auf 54 Sitze. Kleinere Parteien erreichten 34 Sitze, zwei blieben unbesetzt.
Die PML-N erklärte sich zur Partei mit den meisten Sitzen. Zur Bildung einer Regierung muss sie jedoch mit Rivalen und Unabhängigen sprechen. Für am wahrscheinlichsten galt eine Koalition zwischen der PML-N und der PPP. Beide Parteien hatten bereits eine Regierung gebildet, nachdem sie Khan im April 2022 durch ein Misstrauensvotum gestürzt hatten. Führende PTI-Politiker sagten, sie hätten noch mehr Sitze gewonnen, hätte es nicht den von ihr angeprangerten Wahlbetrug gegeben.
Eine landesweite Abschaltung des Mobilfunks am Wahltag und die langsame Auszählung der Ergebnisse hatten den Verdacht aufkommen lassen, dass das Militär den Prozess zugunsten der PML-N beeinflusst haben könnte. „In ganz Pakistan wurden die Wahlen auf subtile Weise manipuliert“, sagte der PTI-Chef. Er rief zu einem „friedlichen Protest“ auf.