Israel und die Palästinenser

Die Warnung der Freunde

von Redaktion

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Leise Warnungen von Freunden sind wichtiger als donnernde Drohungen von Feinden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ist leider für beides bisher taub. Die beiden unverbrüchlichen Freunde Israels – Deutschland und die USA, es sind auf dieser Stufe die beiden einzigen – bitten, mahnen, warnen Netanjahu sehr eindringlich, Maß zu halten. Israels Recht, sich zu verteidigen gegen die Terrororganisation Hamas und deren bestialische Schlächter, reicht sehr weit, aber findet Schranken. Die Zivilisten im Gazastreifen müssen besser geschützt werden und sie müssen mehr humanitäre Hilfe bekommen.

Dieser Konflikt hat unauflösbare Grauzonen, beiderseits: Terror-Infrastruktur unter Wohnblöcken, glühende Hamas-Unterstützung im Palästinensergebiet, die dubiose Rolle des UN-Werks UNRWA – aber eben auch im Fall Israels eine in Teilen fragwürdige Regierung, die unter normalen Umständen weggefegt worden wäre vom Wählerzorn und Zweifeln an Netanjahus demokratischer Rechtschaffenheit. In der internationalen Politik muss man mit den Regierungschefs verhandeln, die nun mal da sind, weder Olaf Scholz noch Joe Biden bereitet das in diesem Fall Freude. Umso bedeutsamer ist es, was die engsten Verbündeten in emsiger Pendeldiplomatie raten. Keine Großoffensive auf Rafah, keine zweite Front zum Libanon, keine Absage an eine Zwei-Staaten-Lösung: Das sind die klaren Botschaften aus Washington und Berlin. Netanjahu missversteht sie nicht, sondern ignoriert sie bewusst.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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