München – In der Ukraine scheint die militärische Lage der Verteidiger des Landes zunehmend schwierig. Russland ist norwegischen Geheimdienstinformationen zufolge dabei, dank eines größeren Truppenreservoirs und der materiellen Unterstützung von Ländern wie Nordkorea und China militärisch die Oberhand zu gewinnen. Kiew werde „substanzielle“ westliche Militärhilfe benötigen, um auf eine Umkehrung der Situation hoffen zu können, sagte der Chef des militärischen Nachrichtendienstes, Nils Andreas Stensönes.
„In diesem Krieg ist Russland derzeit in einer stärkeren Position als vor einem Jahr“, sagte Stensönes. Moskau könne „etwa dreimal so viele Truppen mobilisieren wie die Ukraine“, betonte er. Russland passe sich „besser als erwartet“ an die Sanktionen an. Die Industrie sei in der Lage, genug Munition, Kampffahrzeuge, Drohnen und Raketen zu produzieren, um die „Kriegsanstrengungen das ganze Jahr über aufrechtzuerhalten“.
Stensönes zufolge erhält Russland militärische Unterstützung aus dem Iran, von Belarus und Nordkorea. China liefere demnach keine Waffen, aber „Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik und Ersatzteile“, die für die russische Rüstungsindustrie nützlich seien. Westliche Waffenlieferungen seien notwendig, damit die ukrainischen Streitkräfte sich verteidigen und die Initiative in dem Konflikt wiedererlangen könnten.
Derweil hat der US-Senat ein milliardenschweres Hilfspaket für die Ukraine gebilligt. Nach wochenlangen Verhandlungen verabschiedete die Parlamentskammer einen entsprechenden Gesetzentwurf. 70 der 100 Senatoren stimmten dafür. Das Problem: Der Entwurf geht nun an die andere Parlamentskammer, das Repräsentantenhaus. Ob das Paket dort durchkommen wird, ist völlig offen. Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner eine knappe Mehrheit und zeigten sich skeptisch. US-Präsident Joe Biden hat den Republikanern gestern ins Gewissen geredet, sich nicht länger in den Weg zu stellen.