Dass die Deutsche Fußball Liga die bereits beschlossene und in die Wege geleitete Beteiligung eines Investors aus der Kapitalbranche wieder abgeblasen hat, ist ein schöner Erfolg für alle, die auf den Rängen eine Art von zivilem Ungehorsam gezeigt haben. Die Basis ist halt doch mehr als still zahlende Kundschaft, sie hat Rechte und nimmt sie über die viel diskutierte 50+1-Regel wahr.
Trotzdem muss es nach dem DFL-Rückzieher ja weitergehen mit dem Bestreben der Bundesliga, sich vor allem in ihrer Außendarstellung zu modernisieren – was nun mal mit Kosten verbunden ist. Über Bankkredite – das ist eine Möglichkeit. Doch warum sollten Investitionsmittel nicht aus smarterem Wirtschaften gezogen werden?
Fußball ist ein abstruses Finanzkonstrukt: Die Clubs sind vom Umsatz her Mittelständler, die aber Gehälter bezahlen, die oft die CEOs von Weltkonzernen nicht bekommen. Und wenn 25-jährigen Fußballern im Jahr 20 Millionen Euro nachgeschmissen werden, treibt das die Preise für das gesamte Umfeld hoch. Das eh ein aufgeblähtes ist. Kaderplaner, Datenanalysten, Spezialtrainer für Standardsituationen, Schlafberater, Direktoren und Stabsstellen für dies und das – die Organigramme von Clubs sind auch Abbildungen des Größenwahns. Als während Corona das Geschäftsmodell des Profifußballs zu zerbrechen drohte, versprach er mehr Demut. Er selbst hat das vergessen – die Fans aber nicht.
Guenter.Klein@ovb.net