In dieser Woche gab es mit dem Schalttag am 29. Februar einen extra Tag. Ein Thema war das vor allem in Geburtskliniken, wo man versucht, den Termin der Niederkunft von Müttern hinauszuschieben. Wer will denn wirklich an einem 29. Februar geboren werden und nur alle vier Jahre Geburtstag feiern können?
Unser Kalenderjahr ist ein Sonnenjahr von 365 Tagen. Das ist aber nicht ganz genau, denn in Wahrheit braucht es genau 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 26 Sekunden, bis die Erde die Sonne wieder umkreist hat. Ohne den Schalttag wären unsere Kalenderjahre daher zu kurz. Deswegen hat Julius Cäsar für jedes vierte Jahr den Schalttag in seinen Julianischen Kalender eingeführt. Dadurch aber wurden sie durchschnittlich um elf Minuten und 14 Sekunden zu lang. Daher hat Papst Gregor XIII. die Schaltregelung dahin gehend erweitert, dass in vierhundert Jahren drei Schalttage ausfallen. So waren 1700, 1800 und 1900 keine Schaltjahre, wohl aber 2000. Mit dieser Regelung dauert das Durchschnittsjahr nun 365,2425 Tage und ist damit nur noch wenige Sekunden zu lang.
Um den Kalender mit dem natürlichen Sonnenjahr und seinem Frühlingspunkt am 21. März wieder in den Takt zu bringen, ließ der Papst 1582 auf den 4. sofort den 15. Oktober folgen. Der Rückstand war aufgeholt und der Kalender wieder im Takt. Länder wie das zaristische Russland mochten diesen „Zeit-Diebstahl“ nicht mitmachen. Gott allein sei Herr der Zeit. Auch ein Papst dürfe sich nicht anmaßen, hier einzugreifen.
Ausgerechnet der unchristliche Revolutionär Lenin hat 1918 den päpstlichen Kalender auch in Russland eingeführt. Kalendermacher von dem ägyptischen Ptolomäus über Cäsar bis zum Papst Gregor aber brauchten sich nicht zu beunruhigen durch das, was wir seit Einstein wissen. Jeder Kalender ist nur der Versuch einer Einteilung.
Es gibt nämlich gar keine absolute Zeit. Sie ist „relativ“ oder besser gesagt, sie unterscheidet sich je nach dem Standort, an dem sie gemessen wird. In einem annähernd mit Lichtgeschwindigkeit fahrenden Raumschiff verläuft sie langsamer. Unsere heutigen Atomuhren sind so genau, dass sie diese Zeitverzögerung schon messen konnten – in einem mit hoher Geschwindigkeit um die Welt fliegenden Flugzeug. Was Einstein als Physiker bewiesen hat, geht weit über die Vorstellungskraft von uns normalen Menschen hinaus.
Dafür hat aber jeder von uns schon die Erfahrung gemacht, wie verschieden die erlebte Zeit ist. Sie flieht, weil unser Leben begrenzt ist. Aber sie flieht in ganz unterschiedlich empfundener Geschwindigkeit. Ein Jahr ist eine lange Zeit, wenn es vor uns liegt. Aber nur eine kurze Spanne, wenn wir darauf zurückblicken. Wer wundert sich nicht, dass wir schon wieder März haben? Jeden Tag zu nutzen, das „Carpe Diem“ des Horaz, ist ein gutes Gebot. Über allem aber steht die christliche Bitte, der Herrgott möge nicht aufhören, die Lasten unserer Jahre in Segen zu wandeln.
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