Einen Monat lang herrschte Ruhe, und insgeheim hoffte ja jeder: Ach, DB und GDL, die werden sich doch jetzt endlich mal einigen. Aber nein. Tun sie nicht! Jetzt drohen offenbar Bahnstreiks in Endlosschleife. Nicht einmal die bisher obligatorische 48-stündige Vorwarnzeit will man den Fahrgästen zugestehen. Das ist die maximale Eskalationsstufe. Streiks ohne Ankündigung sind eine Katastrophe, denn dann gibt es nicht mal einen Notfahrplan. Muss das sein? Nein, muss es nicht. Aber die Schuld an der Eskalation trifft nicht die GDL alleine.
Die GDL hat schon mit einigen Großen der Branche, darunter Go Ahead und Transdev, Abschlüsse erzielt. Das gelang, weil eine Maximalforderung wie die 35-Stunden-Woche nicht mehr im Hauruck-Verfahren umgesetzt werden soll, sondern in Stufen. Diesen Kompromissweg sollte auch die DB beschreiten. Stattdessen bezeichnete DB-Cargo-Chefin Nikutta ihre Lokführer als überprivilegiert – eine überflüssige Provokation. Aber auch die GDL muss wissen: Ein Streik ist das falsche Mittel, um „Nieten in Nadelstreifen“ (Weselsky), also DB-Manager, zu treffen. Es trifft die Fahrgäste. Die sind fassungslos, dass es in dem deutschen Arbeitsrecht anscheinend kein Instrumentarium gibt, um beide Seiten zu einer Schlichtung zu zwingen.
Dirk.Walter@ovb.net