Rätselraten um gekapptes Unterseekabel im Roten Meer

von Redaktion

Huthis sollen auch für Angriff auf Datenverkehr verantwortlich sein – Rebellen weisen Vorwürfe aber zurück

Aden – Neuer Kriegsschauplatz im Roten Meer? Nicht nur die Schifffahrt ist bedroht – jetzt wurden auch mehrere Kabel am Grund des Roten Meeres gekappt. Die Folgen sind gravierend: Ein Viertel des kompletten Datenverkehrs zwischen Asien, Europa und dem Nahen Osten sei beeinträchtigt, auch das Internet sei betroffen, meldet die in Hongkong ansässige HGC Global Communications.

Die jemenitische Regierung hatte schon vor einigen Wochen davor gewarnt, dass die Huthi-Rebellen neben dem Schiffsverkehr auch die Kabel im Roten Meer ins Visier nehmen wollen. Doch der Anführer der Huthis dementierte – und beschuldigte jetzt seinerseits das US- und britische Militär, hinter der Attacke auf die für die Datenverbreitung so wichtigen Kabel zu stecken. Der Technikvorstand des Internetknotens DE-CIX, Thomas King, sagte dem „Spiegel“, dass er nicht von einem absichtlichen Angriff der Huthis ausgehe. Möglicherweise habe das von den Huthis getroffene Frachtschiff Rubymar mit seinem Anker „auf dem Meeresboden Schaden angerichtet“. Der mit rund 21 000 Tonnen Düngemittel beladene Frachter war nach einem Huthi-Angriff 70 Kilometer lang unkontrolliert durch das Rote Meer gedriftet, ehe er am Wochenende gesunken war.

Die von dem Kabel-Schaden betroffenen Unternehmen HGC Global Communications in Hongkong und Seacom in Südafrika versuchen, den Datenverkehr auf andere Wege umzuleiten. Gegenüber CNN erklärte Seacom, dass mit den Reparaturen frühestens in einem Monat begonnen werden könne – unter anderem, weil es so lange dauere, eine entsprechende Genehmigung der jemenitischen Schifffahrtsbehörde zu bekommen. Sie steht unter Kontrolle der Huthi-Miliz.

Gekappt wurde unter anderem das 25 000 Kilometer lange Kabel-System Asien-Afrika-Europa. Zudem wurde der Europe India Gateway (EIG) beschädigt, zu dessen Hauptkunden der Telefon-Anbieter Vodafone gehört. Die Huthi feuerten gestern erneut mehrere Antischiffsraketen ab – und trafen dabei das Schweizer Containerschiff MSC Sky II. Es habe Schäden, aber keine Verletzten gegeben, hieß es. Der Seeweg durch das Rote Meer und den Suezkanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Wegen der Angriffe der vom Iran hochgerüsteten Huthi meiden große Reedereien zunehmend die kürzeste See-Verbindung zwischen Asien und Europa.

Am Montagabend habe das US-Militär zudem Selbstverteidigungsschläge gegen zwei Marschflugkörper ausgeführt, die eine „unmittelbare Bedrohung“ für Schiffe in der Region dargestellt hätten. Die Maßnahme diene „dem Schutz der Freiheit der Schifffahrt“, schrieb das Regionalkommando zur Begründung.

Die Huthi agieren nach eigenen Angaben aus Solidarität mit der islamistischen Hamas im Gazastreifen und wollen mit dem Beschuss von Handelsschiffen ein Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen erzwingen.  kr/dpa

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