Aktienrente

Typisch deutscher Kompromiss

von Redaktion

VON ANDREAS HÖSS

Die Aktienrente kommt. Und anders als viele denken, ist sie grundsätzlich sinnvoll. Wer glaubt, dass die Rente damit im Casino verzockt wird, hat wenig Ahnung von Börse – zumal nie geplant war, die ganze Rente dort zu investieren. Dennoch ist die nun gefundene Form des Generationenkapitals leider wenig überzeugend.

Der Grund dafür ist ein typisch deutscher Kompromiss. Anders als angedacht, investieren Arbeitnehmer nämlich nicht einen kleinen Teil ihrer Rente direkt am Kapitalmarkt, wie es in Schweden seit Jahren bestens funktioniert. Dagegen gab es auch innerhalb der Ampel zu viel Widerstand. Deshalb wurde die Idee verkompliziert und klein gemacht. Nun trägt der Staat das Risiko, leiht 200 Milliarden, legt sie an und steckt nur die Gewinne in das Rentensystem. Ein Hilfskonstrukt, das schon in Nullzinszeiten spitz gerechnet war. Zieht man die Kreditkosten ab, kommen so wohl bestenfalls zehn Milliarden Euro pro Jahr zusammen. Gemessen an den jährlichen Rentenausgaben fast 400 Milliarden Euro in Witzbetrag, der nur für ein paar Tage an Rentenzahlungen reicht.

Ist die Aktienrente damit gescheitert? Jein. Es ist immerhin ein erster Schritt der übervorsichtigen Deutschen Richtung kapitalmarktgedeckter Altersvorsorge. Ob die Rente dadurch im Alter künftig zum Leben reicht, darf man bezweifeln. Nebenher muss man nun halt doch weiter privat vorsorgen.

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