Washington/München – Nach dem Super Tuesday läuft alles auf eine Wiederholung des Duells Joe Biden contra Donald Trump hinaus. Doch der Super-Wahltag, bei dem mehr als ein Drittel der Delegierten für die Nominierungs-Parteitage der Demokraten und der Republikaner bestimmt wurden, zeigt auch, wie wacklig die Unterstützung für den Präsidenten und für seinen Herausforderer ist. Beide sind in der eigenen Wählerschaft derart umstritten, dass den Außenseitern eine Macht zukommt wie bei kaum einer US-Präsidentschaftswahl zuvor.
Nikki Haley: Trumps letzte innerparteiliche Konkurrentin hat in 14 der 15 US-Bundesstaaten, die am Super-Wahltag abstimmten, gegen Trump verloren. Daraufhin erklärte sie ihren Ausstieg aus dem parteiinternen Rennen: „Es liegt nun an Donald Trump, die Stimmen derjenigen in unserer Partei und darüber hinaus zu gewinnen, die ihn nicht unterstützt haben“, erklärte Haley. Die Ex-Gouverneurin war die Hoffnung all der Republikaner-Anhänger, die Trumps vulgäre, sprunghafte und autoritäre Art ablehnen. Diese Ablehnung könnte für Trump bei der US-Wahl im November noch gefährlich werden, glaubt Karl Rove, der frühere Chefstratege der Republikaner. Im TV-Sender Fox News verwies Rove nicht nur auf Haleys einzigen Sieg am Super Tuesday in Vermont, sondern auch auf ihr relativ gutes Abschneiden in Virginia, Massachusetts, North Carolina und Maine. „Es gibt noch einiges zu tun, um die Republikanische Partei zu vereinen“, sagte Rove. „Team Trump sollte sich Sorgen machen.“ Trump muss fürchten, dass viele Haley-Anhänger am Ende lieber für Biden stimmen oder der Wahl fernbleiben – und ihm so entscheidende Stimmen vor allem in den für Demokraten wie Republikaner unsicheren Swing States fehlen.
Jason Palmer: Vor einem ähnlichen Problem steht aber auch der Amtsinhaber. Biden bekam seinen Warnschuss am Super-Dienstag in Amerikanisch-Samoa. In dem US-Außengebiet verlor der US-Präsident die Vorwahl der Demokraten gegen den völlig unbekannten Unternehmer Jason Palmer. Zwar stimmten auf der winzigen Inselgruppe im Südpazifik nur knapp 100 Demokraten ab und es ging dort nur um sechs der 3930 Delegiertenstimmen. Aber das Ja zu Palmer gilt als Symbol der Unzufriedenheit mit Biden angesichts schlechter Umfragewerte und der Diskussion um Aussetzer des 81-Jährigen.
Jill Stein: Umfragen zeigen, dass bei der nun zu erwartenden Wiederholung des Duells Biden gegen Trump unabhängige Kandidaten oder solche kleiner Parteien eine größere Rolle spielen werden als bei vergangenen US-Wahlen. So könnte die Grünen-Politikerin Jill Stein Biden entscheidende Stimmen kosten. Stein wird aus dem Lager der Demokraten der Vorwurf gemacht, dass sie Hillary Clinton 2016 entscheidende Stimmen in Swing States weggenommen und damit Trumps Sieg ermöglicht habe.
Robert F. Kennedy: Auch der als unabhängiger Kandidat antretende Robert F. Kennedy dürfte vor allem Stimmen aus dem Biden-Lager abfischen. Der Neffe des 1963 ermordeten demokratischen US-Präsidenten John F. Kennedy liegt laut einer US-weiten Umfrage immerhin bei 13,7 Prozent. Kennedys Aussage, dass Demokraten wie Republikaner versagt hätten, komme vor allem in der jungen Wählerschaft gut an, so der Politikberater Douglas MacKinnon. Kennedy verbreitet Verschwörungsmythen, etwa, dass Impfungen zu Autismus führen und Chemikalien in der Umwelt Kinder zu Transgendern machen.