VON GEORG ANASTASIADIS
Friedrich Merz fühlt sich „fit“ für die Kanzlerkandidatur. Dass ein locker dahingeschlenzter Interviewsatz des 68-Jährigen reicht, um alle (Schein-)Debatten über die Ersatzkandidaten Wüst oder Söder zu beenden, unterstreicht die herausragende Rolle, die sich der Oppositionsführer in Berlin erarbeitet hat. An ihm führt kein Weg vorbei. Dafür hat auch der Kanzler selbst gesorgt. Nur an Merz arbeitet sich Olaf Scholz im Bundestag ab, nicht an den beiden anderen. Das hat zu einer medialen Fokussierung geführt, die Merz als Einzigen auf Augenhöhe mit dem Amtsinhaber hob und so zum natürlichen Herausforderer machte.
Damit ist nicht nur Merz an seinem (vorläufigen) Ziel, sondern auch Scholz, der nun seinen Wunschgegner bekommt. Der Kanzler hält den kantigen CDU-Chef in der Zuspitzung „er oder ich“ für schlagbar. Und die Umfragen spiegeln womöglich noch nicht ausreichend wider, dass dem Amtsinhaber trotz vieler unerfreulicher Schlagzeilen zuletzt auch was gelungen ist: Er hat erstens mit dem Warnruf „die Demokratie ist in Gefahr“ Millionen Bürger „gegen Rechts“ auf die Straße gebracht und gerade das linke Lager mobilisiert. Und er strickt mit der Alarmmeldung „der Frieden ist in Gefahr“ zweitens emsig an der Legende, dass bei der nächsten Wahl entweder ein „Friedenskanzler“ (sprich er selbst) im Amt bleibt – oder der „Kriegskanzler“ Merz kommt. Das könnte bei manchen Bürgern verfangen, die von der Ampel ermüdet, aber zugleich von Putins Drohungen verunsichert sind.
Dem Bayernregenten Markus Söder, dem sein Freistaat längst zu klein geworden ist, bleibt zunächst nur die Rolle des Beobachters. Das Kanzleramt dürfte weg sein, und als Nummer Zwei will er nicht nach Berlin gehen. Doch wird schon ab 2026 ein neuer Bundespräsident gesucht. Mancher, der sich Söder in der Rolle des ausgleichenden Staatsoberhaupts nicht vorstellen kann, unterschätzt die Wandelbarkeit des Bayern, der bisher noch jedes Amt zu seinem gemacht hat.
Georg.Anastasiadis@ovb.net