Neue Wehrpflicht-Debatten

Richtige Pläne – aber zu wenig Kraft

von Redaktion

VON CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

In der Politik passieren Fehler, die man hinterher korrigieren kann. Das Wehrpflicht-Aus 2011 unter Guttenberg, der zu luschig war, um Wehrgerechtigkeit durchzusetzen, ist einer der wenigen Riesenfehler, die faktisch kaum reparabel sind. Vielleicht könnte die Bundeswehr die Strukturen für Musterung und Dienst wieder hochziehen – doch die Parteien werden die Kraft, einen unpopulären Pflichtdienst wieder aufleben zu lassen, nur bei einer sehr nahen Kriegsgefahr aufbringen. Die Angst vor dem Groll einer Jungwähler-Generation ist zu groß.

Inhaltlich hätten einige Politiker sehr recht mit ihren Trockenübungen. Der neue Verteidigungsminister Pistorius, endlich eher Kümmerer als Selbstinszenierer, liegt total richtig mit seinem Ruf nach Musterungen ganzer Jahrgänge beider Geschlechter. Die schrumpfende Bundeswehr bräuchte junge, motivierte Männer und Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft für ihren mühsamen Weg, einsatzfähig zu werden. Mindestens ebenso wichtig wären Pflichtmonate im sozialen Bereich; das greift die Union zurecht in ihren Überlegungen auf.

Allenfalls denkbar, dass ein sehr sanfter Einstieg – ein, zwei Monate für die ersten Jahrgänge – ein Weg zurück zum Dienst sein kann. Das wäre zwar in der Sache, gerade militärisch, nicht sinnvoll, aber politisch leichter vermittelbar. Eines kann man sich dabei aber gleich sparen: Mit freiwilligen Modellen wird’s nix, es gilt das Motto „alle oder keiner“. Also – leider – derzeit eher Letzteres.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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