„Es tobt ein Wettbewerb um Talente und Technologie“

von Redaktion

Wissenschaftsminister Markus Blume erklärt, warum er erst nach Indien und dann nach China reist

Peking – Das bayerische Kabinett auf Reisen: In Peking stößt, aus Indien kommend, Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) zur Delegation von Ministerpräsident Markus Söder. Abends, im Interview in der Hotellobby, erklärt er, was es mit dieser Weltreise auf sich hat.

Herr Blume, ein bayerischer Staatsminister erst in Indien, dann in China. Wie kam es denn zu dieser sehr ungewöhnlichen Kombination?

Durch Corona und zuletzt die Landtagswahl lag der Austausch mit anderen Regionen etwas brach. Bayern ist international eine Nummer. Deshalb war klar, dass wir jetzt ein Zeitfenster wie die Karwoche nutzen müssen, um international Flagge zu zeigen.

Warum Indien? Warum China?

In der Welt von heute tobt ein Wettkampf um Talente und Technologie. Indien und China haben zusammen so viele Studierende wie Deutschland Einwohner. Diesen gigantischen Talentpool müssen wir anzapfen, um unseren Fachkräftebedarf zu decken. Immerhin ein Drittel der bayerischen Studentinnen und Studenten kommt inzwischen aus dem Ausland, die meisten darunter aus Indien und China.

Das heißt, Sie werben auch um Studenten?

Ja, hier gibt es ein schier unerschöpfliches Reservoir an jungen Talenten. Da schaut jedes bayerische Unternehmen darauf. Der indische Bildungsminister hat uns gar mit der Möglichkeit konfrontiert, einen eigenen Campus einer bayerischen Universität zu eröffnen. Diese Möglichkeit gibt es für ausländische Universitäten seit Kurzem.

Und? Machen Sie es?

Das Modell muss man sich genau überlegen. Es sind noch viele Fragen zu klären. Aber so ein „Bavarian International Campus“ wäre schon spannend. In jedem Fall ist es ein schönes Kompliment für den bayerischen Wissenschaftsstandort, dass man uns das zutraut.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit China?

China ist eine der führenden Innovationsregionen der Welt geworden. Hier ist zwar alles um den Faktor 100 größer als in Bayern, aber wir ticken gleich, wenn es um technologische Ambition und wissenschaftliche Exzellenz geht. Die Tsinghua-Universität, die wir heute besucht haben, rangiert in der Welt unter den Top 15 und ist in allen Disziplinen ganz vorne mit dabei. Die TU München ist inzwischen auch schon auf Platz 30 geklettert. Da gibt es eine strategische Partnerschaft auf Augenhöhe. Dass heute Markus Söder in Peking auch noch die Gastprofessur – von einer der besten Universitäten der Welt – verliehen wurde, ist die höchste Form der Anerkennung.

Interview: Mike Schier

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