Budapest – In Budapest haben tausende Demonstranten den Rücktritt von Ministerpräsident Viktor Orban gefordert. Anlass des Protests war die Veröffentlichung einer Tonaufnahme durch den aufstrebenden Oppositionspolitiker Peter Magyar am Morgen, die angeblich eine Verwicklung der Regierung in einen Korruptionsfall beweist.
„Wir werden nicht zulassen, dass der größte politische und juristische Skandal der letzten dreißig Jahre vertuscht wird“, rief Magyar der Menge zu und forderte auch den Rücktritt von Generalstaatsanwalt Peter Polt.
Magyar ist der Ex-Mann von Judit Varga, frühere ungarische Justizministerin und Politikerin von Orbans Partei Fidesz. Varga, zu diesem Zeitpunkt Fidesz-Spitzenkandidatin für die Europawahl, war im Februar im Zusammenhang mit einem Skandal um die Begnadigung eines in Kindesmissbrauch verwickelten Mannes zurückgetreten. Sie zog sich aus der Politik zurück.
Die Aufnahme soll ein Gespräch zwischen Magya und Varga vom Januar 2023 wiedergeben. Darin hört man die damalige Justizministerin sagen, dass andere Regierungsvertreter versucht hätten, die Gerichtsakten zu manipulieren, um Beweise für ihre Verstrickung in Korruptionsfälle zu vertuschen.
Varga warf Magya am Dienstag häusliche Gewalt vor und erklärte, er habe sie zu den Aussagen gezwungen. Die Regierung reagierte zunächst nicht auf die Tonaufnahme. Ein „Ehestreit“ habe „nichts mit dem öffentlichen Leben zu tun“, erklärte lediglich Viktor Orbans Stabschef Gergely Gulyas.