Es ist ein Sumpf. Hören will das im Kreml zwar niemand, aber: Das System Putin fußt im Grunde auf Korruption. Eine treu ergebene Clique aus Oligarchen und mächtigen Männern macht sich auch mitten im kostspieligen Ukraine-Krieg fleißig die Taschen voll. Trotz westlicher Sanktionen scheint das System zu florieren. Die Grundsteine der Korruptionsmaschinerie wurden ja bereits vor Jahrzehnten gelegt.
Lange hat der russische Präsident versucht, eine glänzende Fassade aufrechtzuerhalten. Die Kreml-Herren zeigen lieber auf ihren ukrainischen Nachbarn und sprechen von einem „korrupten Regime in Kiew“. Kritiker, die lautstark die herrschende Korruption in Russland anprangerten, sind dagegen auf eine ganz schicksalhafte Art und Weise verstorben. Kreml-Gegner und Korruptions-Bekämpfer Alexej Nawalny starb in Haft. Jewgeni Prigoschin, Wagner-Chef und heftiger Widersacher des jetzt abgesetzten Verteidigungsministers Sergej Schoigu, kam bei einem bis heute unaufgeklärten Flugzeugabsturz ums Leben.
Dass der Kreml-Chef jetzt im Verteidigungsministerium ordentlich aufräumt und nach dem Vize-Minister nun auch einen ranghohen General verhaften lässt, ist nur ein weiterer Versuch, sich mit stets sauberer Weste zu inszenieren. Als der Präsident, der durchgreift. Doch in Wirklichkeit geht es ihm nicht darum, den kriminellen Sumpf auszutrocknen, sondern nur darum, seine Macht zu festigen. Leonie.Hudelmaier@ovb.net