Ein Riss mitten durch München

von Redaktion

Palästina-Protest

Ratlos, hilflos, machtlos: Dieser unselige Dreiklang ist oft das Ergebnis, wenn jemand mit dem Konflikt im Nahen Osten zu tun hat. Offenbar kann niemand die Welle der Gewalt dort stoppen – schon gar kein Außenstehender. Nach wie vor hat die Hamas dutzende israelischer Geiseln in ihrer Gewalt, und die Welt kann nichts dagegen tun. Gleichzeitig wird immer mehr Protest von Sympathisanten der Palästinenser laut, die israelische Militäreinsätze verhindern wollen. Auch in München gibt es Demos, zum Beispiel vor der Universität. Der Riss des Nahost-Konflikts verläuft so auch direkt durch die bayerische Landeshauptstadt.

Wie schwierig die Lage ist, zeigt sich am Umgang der Behörden mit dem Protest-Camp. Die Stadt wollte die Aktion am Professor-Huber-Platz verbieten, konnte das aber vor Gericht auch in zwei Instanzen nicht durchsetzen. Wenn man länger darüber nachdenkt, ist dieses Ergebnis auch richtig – selbst dann, wenn sich im Innersten jede Faser gegen solch ein Lager an solch einem geschichtsträchtigen Ort sträubt.

Am Ende hat Voltaires Satz (beziehungsweise der Satz seiner Biografin über ihn) seine Berechtigung: „Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass Sie es sagen dürfen.“ Die Grenze liegt erst dort, wo faktische oder gedankliche Gewalt beginnt. Letzteres ist bei Palästina-Demonstrationen allerdings nicht einfach einzuschätzen – weshalb die Polizei und andere Behörden solche Veranstaltungen wie diejenige vor unserer Universität genau im Blick behalten müssen. Ulrich.Heichele@ovb.net

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