Moskau – Russland hat den Beginn einer Atomwaffenübung nahe der Ukraine verkündet. Dabei handele es sich um eine „Antwort auf provokative Äußerungen und Drohungen bestimmter westlicher Vertreter“, erklärte das Verteidigungsministerium. Es werde die „Bereitschaft“ der „nicht-strategischen Nuklearwaffen“ getestet, um die „territoriale Integrität und Souveränität des russischen Staates“ zu gewährleisten. Das Manöver finde im Militärbezirk Süd statt. Dieser Bezirk grenzt an die Ukraine und umfasst Teile des Nachbarlandes, die Moskau für annektiert erklärt hat.
Das Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahmen, auf denen Lkws zu sehen waren, die Raketen zu einem Feld brachten. Zu sehen war auch, wie auf dem Feld Abschusssysteme vorbereitet wurden. Soldaten versetzten demnach zudem ein Kampfflugzeug für den Transport eines Atomsprengkopfes in Bereitschaft.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Militärübungen Anfang Mai angeordnet, nachdem eine Reihe westlicher Erklärungen in Moskau für Unmut gesorgt hatte. Russische Vertreter wiesen etwa auf Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hin, wonach Nato-Länder die Entsendung von Truppen in die Ukraine nicht ausschließen sollten.
Außenministerin Annalena Baerbock ist seit gestern in der Ukraine und mahnte eine schnellere militärische Hilfe an. „Jedes Zaudern gefährdet auch unsere Sicherheit“, sagte sie bei einer Pressekonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba. Der Ton Moskaus werde auch gegenüber Nachbarländern der Ukraine schärfer.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die militärische Lage in der Ostukraine sei gerade „extrem schwierig“. In der nordöstlichen Region Charkiw erzielten die Truppen aber „greifbare Ergebnisse“.