Petr Bystron (AfD) bei einer Rede im Bundestag. © dpa
München/Berlin – Vor fünf Tagen ging bei Petr Bystron eine unangenehme E-Mail ein. Die Parteispitze der AfD legte ihm schriftlich nahe, er möge auf weitere Auftritte im Rahmen des Europawahlkampfs besser verzichten. Lesen konnte Bystron die Mail nach eigenen Angaben nicht, weil die Staatsanwaltschaft bei einer Hausdurchsuchung seinen Computer mitgenommen hatte. Journalisten, denen die Mail zeitgleich zugespielt wurde, informierten ihn und forderten ihn zur Stellungnahme auf.
Nun zeigt sich: Die Botschaft ist angekommen. Der Münchner Bundestagsabgeordnete, der auf Listenplatz 2 für das EU-Parlament kandidiert, fährt seinen Präsenzwahlkampf offenkundig zurück. Unter anderem seinen Auftritt heute in Gröbenzell (Kreis Fürstenfeldbruck) hat er abgesagt. Unter dem Titel „Make Europe great again – Letzter Ausweg: Dexit“ sollte Bystron in einem Mehrzwecksaal sprechen.
Wie lange er aussetzt, ist ungewiss. Sein Kollege Maximilian Krah, Listenplatz 1, hatte einige Tage pausiert, ist aber wieder auf den Bühnen präsent. Bei Krah geht es um Spionageermittlungen gegen einen Ex-Mitarbeiter. Im Fall Bystron ermittelt die Justiz wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit und der Geldwäsche.
Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Allmählich sickert aber durch, dass die Justiz bei ihren Durchsuchungen im Fall Bystron fündig wurde. Laut „Welt“ hat die Polizei bei ihm Hinweise auf Goldbarren, Bargeld in Umschlägen sowie Kontoauszüge aus Tschechien und Liechtenstein gefunden. Es scheint um stattliche Summen zu gehen. Bei der Durchsuchung von Bystrons Wohnhaus im Berliner Ortsteil Wannsee wurden demnach die Nummern von Goldbarren mit einem Gewicht von 500 Gramm und einem Kilo entdeckt. Je nach Legierung kann es dabei um einen sechsstelligen Wert gehen. „Die Unterlagen zum physischen Gold sowie den Konten meiner Mutter bewahre ich auf, weil ich vom Gericht zu ihrem Vormund bestellt bin“, sagte Bystron der „Welt“. „Meine Mutter war lange Jahre Inhaberin einer Zahnklinik in der Schweiz, hat alles legal erworben, und ich bewahre die Nachweise auf. Dazu gehören auch die alten Auszüge von dem liechtensteinischen Konto, obwohl dieses schon länger aufgelöst ist.“
Lediglich das Konto in Tschechien, zu dem ebenfalls Auszüge gefunden wurden, ordnet Bystron sich selber zu: „Die Kontobewegungen auf meinem tschechischen Konto sind auch alle völlig transparent, denn sie betreffen Mieteinnahmen und Ausgaben von Immobilien in Tschechien, die mir und meiner Frau seit über zwanzig Jahren gehören.“
Bei aller Unklarheit ist eines seit gestern gewiss: Die AfD wird sich im EU-Parlament neue Partner suchen müssen, denn Frankreichs Rechtspopulisten kündigen die Zusammenarbeit auf. „Wir werden in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr mit ihnen zusammensitzen“, sagte Alexandre Loubet, Wahlkampfleiter beim Rassemblement National, der Zeitung „Libération“. Bisher gehören AfD wie RN der ID-Fraktion an. Das Verhältnis ist schon länger gestört. Nun brachte wohl ein Interview Krahs mit „La Repubblica“ das Fass zum Überlaufen. Darin erklärte der 47-Jährige, dass nicht jeder, der eine SS-Uniform trug, automatisch ein Verbrecher sei.
„Das wahre Gesicht der AfD schreckt selbst Europas Radikale ab“, sagte EVP-Chef Manfred Weber unserer Zeitung. „Die AfD ist die Radikalste unter den Radikalen. Sie ist für alle nur noch Ballast.“
ST/DPA/CD