Nach mehr als zwei Jahren Krieg ist dieser Schritt verständlich: Mit einem neuen Gesetz erhöht die ukrainische Regierung den Druck auf eigentlich Wehrpflichtige, aus dem sicheren Ausland zurück in die Heimat zu kommen und sich an (oder hinter) der Front dem Kampf gegen die russischen Aggressoren anzuschließen. Den Verteidigern gehen nicht nur Waffen und Munition, sondern auch die Soldaten aus. Und jene, die seit vielen Monaten die Stellung halten, ermüden zusehends. Logisch also, dass sich Kiew darum bemüht, die Belastungen auf möglichst viele zu verteilen. Eine Frage der Gerechtigkeit.
Krieg scheint – aller Emanzipation zum Trotz – hier noch reine Männersache. Mehrfach hat sich die Ukraine an Berlin mit der Bitte gewandt, die rund 200000 wehrpflichtigen Ukrainer zurückzuschicken. Auch in Deutschland gab es schon Kritik an den „Fahnenflüchtigen“, wie sie beispielsweise Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte. Doch sollte es nicht die Aufgabe Deutschlands sein, hierzulande die Einberufung anderer Staaten umzusetzen.
Dennoch liefert die Bundesregierung falsche Anreize: Die Praxis, allen Ukrainern Bürgergeld zu zahlen, gehört beendet. Noch immer werden Ukrainer im arbeits- und wehrfähigen Alter in Deutschland gut versorgt, obwohl hier die Arbeitskräfte und dort die Soldaten fehlen. Man kann jeden einzelnen verstehen, der sich dem Töten im Donbass entziehen will. Aber wer bleiben möchte, sollte nach zwei Jahren zumindest rudimentär Deutsch können und schleunigst in den Arbeitsmarkt integriert werden. Auch das: eine Frage der Gerechtigkeit. Mike.Schier@ovb.net