Kiel/München – Nord-Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) verlangt, erst im Herbst die Frage der Kanzlerkandidatur in der Union formal zu klären – findet dabei aber sehr lobende Worte für Parteichef Friedrich Merz. „Wir haben eine klare Verabredung in der Union, dass wir nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland über das Thema sprechen“, sagte der schleswig-holsteinische Regierungschef unserer Zeitung. Gewählt wird in Sachsen, Thüringen und Brandenburg am 1. und 22. September.
Günther rechnet nicht mit einem Zweikampf Merz gegen CSU-Chef Markus Söder, also einer Wiederholung des erbitterten Unionsstreits von 2021. Der Bayer habe „aus den Fehlern von damals gelernt“, erklärte er. Söder werde „mit aller Klarheit den dann aufgestellten Kandidaten oder die Kandidatin mit Nachdruck unterstützen. Er hat ja bereits deutlich erklärt, dass er nicht zur Verfügung steht als Kanzlerkandidat. Das nehme ich ihm auch ab.“ In der CSU werden Söders Aussagen bisher nicht als kategorische Absage an jegliche Ambitionen interpretiert.
Mit Merz, so sagt Günther, arbeite er „sehr intensiv und gut zusammen. Er macht eine tolle Arbeit und profiliert die Union als Oppositionsführer.“ Merz setze auf die richtigen Themen und habe die Union gut vorbereitet. „Er benennt die Punkte, die notwendig sind, und trifft den richtigen Ton. Insofern ist er in der Kommunikation stärker geworden.“ Im Mai hatte sich Günthers Bildungsministerin Karin Prien (CDU) bereits offen für Merz ausgesprochen. „Wenn er Kanzlerkandidat der Union werden will, dann wird er es auch“, sagte sie in einem Interview, und dann „werden wir ihn unterstützen“.
Eigenes Interesse, mit der nächsten Wahl 2025 nach Berlin zu wechseln, schließt Günther derweil deutlich aus. „Ich habe immer klar gesagt, dass ich Ministerpräsident in Schleswig-Holstein bleibe. Bis 2027 bin ich gewählt und was danach ist, werde ich sehen.“
Ex-CDU-Chef Armin Laschet, der Kanzlerkandidat von 2021, sagte unserer Zeitung, sein Verhältnis zu Söder sei inzwischen „in Ordnung“. Er sei derzeit häufiger wegen eines neuen Lehrauftrags an der LMU in München, sagte der Nordrhein-Westfale. Mit Söder spreche er dann, „wenn ich ihn mal sehe“. ANNE MERHOLZ/MARTIN KRIGAR