Finale in München: Ursula von der Leyen gestern Abend im Löwenbräukeller. © Hoppe/dpa
München/Trier – Das Empfangskommando steht jetzt bereit seit einer Viertelstunde vor der Tür, sie haben schon probegejubelt, geklatscht, Transparente geschwenkt und einem Regenguss getrotzt. Aber die Hauptperson fehlt. Ursula von der Leyen, die durch den Haupteingang schreiten sollte, hat sich unbemerkt durch eine Seitentür ins Wirtshaus geschlichen. Alles Warten hilft nichts, also bejubelt die Junge Union andere. „Ilse, Ilse“-Rufe zum Beispiel, als Landtagspräsidentin Aigner vorbeiläuft.
Sie finden erst drinnen zusammen, von der Leyen und ihre CSU-Unterstützer, dann nicht minder laut. Zur Schlusskundgebung haben die beiden Parteien am Freitagabend nach München geladen. Bei der CSU, so raunt ein hoher CDUler, weil man ihr eher zutraue, in eiserner Disziplin eine Kundgebung mit vollem Saal, Defiliermarsch und ohne Störer zu organisieren; ob hier nun die größten Fans der Spitzenkandidatin sitzen oder auch nicht.
Also läuft von der Leyen ein, flankiert von den Parteichefs Markus Söder und Friedrich Merz. „Eine nationale patriotische Pflicht“ sei es, sie wieder zur Kommissionspräsidentin zu machen, sagt Söder. Und nutzt seine Rede zur Grundsatzabrechnung mit Berlin. Merz hält es ähnlich, der „Spuk der Ampel“ müsse spätestens 2025 enden. Von der Leyen grenzt sich sehr scharf von der AfD ab („die verraten unser Land an Autokraten“). Und dankt CDU wie CSU für den „fulminanten Wahlkampf“.
Was so eine Schlusskundgebung bringt, wo die Mehrheit schon briefgewählt haben dürfte? Die Hoffnungen sind hoch. Aktuell ergab das ZDF-Politbarometer, dass 42 Prozent noch nicht wissen, ob und wen sie wählen. Aktuell läge die Union bundesweit stabil bei 30 Prozent. Es folgen Grüne, SPD und AfD auf Augenhöhe mit je 14 Prozent. Die Linke kommt auf 3, was ohne Hürde zum Einzug reichen würde, die FDP auf 4, das BSW auf 7, „Volt“ auf 3. Die anderen Parteien zusammen lägen laut Forschungsgruppe Wahlen bei 11 Prozent, darunter die Freien Wähler unter 3 Prozent.
Also: Nochmal alles mobilisieren für die Schlusskundgebungen. Die SPD startet mit Spitzenkandidatin Katarina Barley in ein Europafest in ihrer Heimat Trier. Für Samstag ist das Wahlkampffinale in Duisburg geplant, mit Kanzler Olaf Scholz als Gast. Die Grünen versammeln sich zum Abschluss am Freitag in Köln. Außenministerin Annalena Baerbock mahnt dort zu Zusammenhalt: „Dieses große Glück EU ist gerade für uns Deutsche ja nicht vom Himmel gefallen.“
Auch die FDP hat ihren Wahlkampf abgeschlossen. Ihre Listenführerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann nennt die EU „das größte Friedensprojekt, seitdem Menschen vom Baum geklettert sind“. Trotzdem habe die EU „riesige Schwächen. Sie ist bräsig, ist schwerfällig geworden, besinnt sich nicht mehr auf das große Ganze, sondern auf kleine Details.“ C. DEUTSCHLÄNDER