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EU-Zölle gegen China: Die Zeitbombe tickt

von Redaktion

Riskiert Brüssel den Handelskrieg?

China ist ein schrecklicher Handelspartner. Seine unfairen Methoden zerstören im Ausland ganze Wirtschaftszweige. Mit hohen Subventionen päppelt Peking seine Unternehmen, die anschließend mit Dumpingpreisen den globalen Markt mit ihren Produkten überfluten und Wettbewerber platt machen. So lief es bei den Solarmodulen und beim Stahl. Und so will China es jetzt auch bei den Elektroautos durchexerzieren. Klar, dass die EU-Kommission die Samthandschuhe ausziehen muss. Die gestern – zunächst nur als Drohgebärde – angekündigte Einführung hoher Importzölle wäre aber die falsche Antwort, weil Zölle mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Etwa die Hälfte der E-Autos, die aus China nach Europa eingeführt werden, stammt von dort produzierenden westlichen Herstellern (maßgeblich auch von BMW) – Importabgaben würden also die eigenen Konzerne treffen. Und spätestens wenn China als Antwort seinen Markt für europäische Produkte verriegelt, tobt ein Handelskrieg, der am Ende nur Verlierer kennt. Hauptbetroffen wäre zudem das Autobauerland Deutschland. Schmerzhafte Jobverluste und ein erneutes Anziehen der Teuerung würden Konzerne und Verbraucher gleichermaßen hart treffen.

All das darf die deutsche EU-Chefin Ursula von der Leyen nicht aus dem Blick verlieren. Das heißt nicht, dass Europa klein beigeben muss. Brüssel befindet sich in einer guten Verhandlungsposition, weil die von Präsident Biden verhängten massiven US-Strafmaßnahmen China bereits in Amerika unter Druck setzen. Den Verlust auch des europäischen Absatzmarktes kann sich das mit wirtschaftlichen Problemen und einer schweren Immobilienkrise kämpfende Reich der Mitte nicht erlauben. Nichts fürchtet das Regime mehr als aufkommende Unzufriedenheit und Unruhe in der Bevölkerung. Das kann Europa sich zunutze machen. Bis zum 4. Juli haben Brüssel und Peking Zeit, die tickende Zeitbombe noch zu entschärfen. Georg.Anastasiadis@ovb.net

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