Erfolge können übermütig machen, das ist gerade bei der AfD zu besichtigen. Gestärkt vom Wahlergebnis und (vorerst) befreit von Skandal-Spitzenmann Krah, hält man den Weg zurück in Europas Rechtsaußenfamilie offenbar für eine leichte Übung. Wer Erfolg habe, müsse sich „nicht zusätzlich hübsch machen“, sagte Tino Chrupalla dazu. Wenn er sich da mal nicht täuscht.
Eines muss man sich klarmachen: Der Ausschluss der Deutschen aus der rechtsextremen ID-Fraktion war keine kurzfristige Reaktion auf Krahs SS-Verharmlosung. Er war eine strategische Weichenstellung, maßgeblich betrieben vom Rassemblement National um Marine Le Pen. Die Französin sucht nicht nur Anschluss an das etwas gemäßigtere EKR-Lager in Brüssel, sondern hofft auch, in Frankreich künftig zu regieren. Auf beiden Wegen hat sie die AfD, die sich jeder Mäßigung verweigert, als Last identifiziert – und zwar spätestens seit deren „Remigrations“-Treffen in Potsdam, eigentlich schon früher. Nach den Wahlen, sagte Le Pens Spitzenmann Jordan Bardella Ende Mai, werde man „neue Alliierte haben und nicht mehr mit der AfD in einer Fraktion sitzen“. Das klang nicht nach „Beziehungspause“, wie die Deutschen meinen, sondern nach Beziehungsende.
Natürlich ist viel im Fluss, ein Mittelweg nicht ausgeschlossen. Le Pen könnte die AfD etwa in den Wartestand setzen und ihr erst nach einer Bewährungszeit von ein, zwei Jahren eine neue Chance geben. Problem: Den Deutschen ginge als Fraktionslose erst mal viel Geld durch die Lappen. Am Ende kommt es deshalb vielleicht doch zu jener „Hooligan-Fraktion“ der Ultra-Nationalisten, von der Krah seit Langem träumt. Stand jetzt wäre das der richtige Ort für die Partei. Marcus.Maeckler@ovb.net