Berlin – Experten sehen eine Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten wie Ruanda überwiegend skeptisch. Das habe ein Prüfbericht des Bundesinnenministeriums ergeben, berichteten „SZ“, WDR, NDR. Das Ministerium von Nancy Faeser (SPD) befragte demnach 28 Experten zu dem Modell, das etwa Italien mit Albanien anstrebt. Dabei sollen Asylbewerber für die Verfahren in Drittstaaten außerhalb der EU gebracht und dort in Lagern untergebracht werden. Unter den Befragten seien Juristen, Regierungsvertreter, Wissenschaftler und Hilfsorganisationen gewesen.
„Viele Sachverständige äußerten sich allerdings skeptisch bis kritisch zu den rechtlichen und tatsächlichen Umsetzungsmöglichkeiten“ des Modells, zitierte die ARD aus dem Bericht. Der Grund für die Skepsis seien juristische Bedenken, aber vor allem Fragen von Kosten und Nutzen. Ein Großteil der Fachleute ist sich demnach einig, dass Asylzentren im Ausland teuer und ineffizient seien, da nur sehr wenige Menschen über ein solches Vorhaben tatsächlich ins Ausland gebracht werden. Auch sei es unwahrscheinlich, dass sich Staaten zur Aufnahme Asylsuchender aus Europa bereit erklärten. Eine Mehrheit der 21 Migrationsexperten warne überdies vor schwerwiegenden ethischen Folgen.
Schließlich hätten mehrere Sachverständige darauf hingewiesen, dass eine Abschreckung durch diese Modelle nicht erwiesen sei, berichtete die ARD unter Berufung auf das Dokument des Bundesinnenministeriums. Befürworter des Modells argumentieren indes, dass sich Asylsuchende erst gar nicht auf den gefährlichen Weg nach Europa machen müssten, wenn sie ihren Antrag ortsnah stellen könnten. Der frühere Verfassungsrichter Paul Kirchhoff sagte zuletzt: „Das wäre auch ein wichtiger Beitrag, um das kriminelle Geschäft der Schlepper zu bekämpfen.“