Typisch für touristisch besonders begehrte Metropolen sind nicht nur ihre unverwechselbare Architektur oder schicken Restaurants, sondern immer öfter auch die Schlüsselboxen, die überall hängen. Ganz unkompliziert kommen Besucher so in ihre privat gebuchten Unterkünfte. Das ist bequem, hat aber eine Kehrseite: den zunehmend prekären Wohnungsmarkt. Weil Touristen ein Vielfaches an Einnahmen bringen, wird das Angebot für ganz normale Mieter immer knapper.
Mit Barcelona reagiert nun eine der attraktivsten Städte Europas. Ab 2029 soll es keine privaten Ferienwohnungen mehr geben, dann laufen die Lizenzen aus. Das ist immer noch sehr spät, denn die sozial und wirtschaftlich explosiven Folgen der Wohnungsnot sind – wie in vergleichbaren Städten, auch München – längst bekannt. Der Beschluss der Katalanen etwa, Hotelbauten in der Innenstadt zu untersagen, hat das Interesse an privaten Unterkünften schon seit Jahren befeuert.
Nachdem der Tourismus jahrzehntelang als Chance und Segen empfunden wurde, sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Dennoch, das zeigt das Beispiel Barcelona, tut sich die Politik schwer bei der Abwägung, was am Ende zählt: die (nach der Corona-Enthaltsamkeit sprudelnden) Einnahmen durch Touristen oder dringend benötigter Wohnraum für die Bürger, die sich ihre Stadt nicht mehr leisten können. Dieselben Lizenzen, die nun Ende 2028 auslaufen, wurden erst vor ein paar Monaten noch einmal verlängert. Eine Problemlösung in die Zukunft zu verschieben, erspart den Entscheidern in der Gegenwart einige Debatten. Für Menschen auf Wohnungssuche ist rasche Erlösung dagegen nicht in Sicht. Marc.Beyer@ovb.net