Die Hoffnung, dass Sport politische Gräben zuschüttet, erfüllt sich bei dieser Fußball-EM mal wieder nicht. Im Gegenteil: Die große mediale Bühne wird nicht nur von rechtsextremistischen Fans, sondern leider auch von Spielern missbraucht. Etwa von Albaniens Stürmer Mirlind Daku, der anti-serbische Gesänge anstimmte. Oder vom türkischen Verteidiger Merih Demiral, der mit dem Symbol der rechtsextremen Grauen Wölfe jubelte.
Richtig übel wird es, wenn dann auch noch Staatschefs wie Recep Tayyip Erdogan die braune Fußball-Soße hochkochen, statt klarzustellen: Nazi-Gesten und extremistische Symbole haben im Stadion nichts zu suchen. Erdogan ließ sich in seinem Wahlkampf von Organisationen aus dem Umkreis der Grauen Wölfe unterstützen – von Extremisten, die große Teile der türkischen Bevölkerung wie Kurden oder Aleviten mit Gewalt und Hetze bedrohen. Mit seiner Parteinahme für Demiral will sich Erdogan nicht nur für diese Hilfe revanchieren, sondern auch von all seinen innenpolitischen Problemen ablenken, nach dem Motto: Ich verteidige das Türkentum gegen Berlin.
Es rächt sich nun, dass die Bundesregierung dem Vorbild anderer EU-Staaten wie Frankreich oder Österreich nicht gefolgt ist, die Grauen Wölfe zu verbieten. Denn dann wäre der Wolfsgruß in einem deutschen Stadion schlicht strafbar. Auch dann, wenn Erdogan persönlich die Rassisten-Geste beim Viertelfinale bejubelt.Klaus.Rimpel@ovb.net