Wieder scheitert eine Auslandsmission

von Redaktion

Bundeswehr in Westafrika

Es sieht nicht ganz so peinlich aus wie die überstürzte Flucht des Westens aus Afghanistan. Aber nüchtern betrachtet, vollzieht die Bundeswehr mit dem Rückzug aus Westafrika nun die zweite bittere Niederlage bei Auslandsmissionen. In Mali und Niger wurden die Einsatzziele großteils verfehlt. Korrupte Regime und Militärjuntas haben die Macht übernommen; das mögen nicht gar so mittelalterliche Mörderbanden sein wie die Taliban, aber von Stabilität oder gar Demokratie und Prosperität sind Mali und Niger weiter weg denn je. Das Scheitern ist – wie auch am Hindukusch – nicht den eingesetzten Soldaten anzulasten. Schuld ist ein großer militärpolitischer Fehler: Die Ansatz der Einsätze war berechtigt, die Dimension aber zu klein. Der Westen hätte militärisch mehr aufbieten müssen. Für einen wuchtigeren Einsatz war die deutsche oder europäische Öffentlichkeit nicht bereit.

Im Ergebnis wurden in Westafrika wie in Afghanistan Milliarden an deutschen Steuergeldern verbraten. Ohne nachhaltigen Nutzen, im Gegenteil: Die Region fällt in die russische Einflusssphäre. Ja, das ist ein Scheitern des Westens, und die Bundesregierung sollte etwas weniger naiv als sonst hinterfragen, ob mit Entwicklungshilfe-Millionen jetzt wirklich noch was zu retten ist. Oder ob sie, kleine Parallele zum Hamas-Unterstützerwerk UNRWA, in falschen Kanälen landen.

Für die Bundeswehr ist all das immerhin verkraftbar. Sie muss sich nun ohnehin neu aufstellen, Schwerpunkt in Europa, Abschreckung gegen den Aggressor Russland. Sie wird ihre Kapazitäten in den kommenden mindestens zehn Jahren bündeln müssen.Christian.Deutschlaender@ovb.net

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